Apollonius von Tyana sagte bereits zu den Smyrnäern die merkwürdigen Worte: „Zur guten Verwaltung bedarf eine Stadt der uneinigen Eintracht.“ Dies war eine constitutionelle Ahnung, denn — was kann er damit anders gemeint haben, als dasselbe, was wir jetzt so sehr zu realisiren wünschen, nämlich: der demokratischen, wie der aristokratischen Gewalt im Staate gleichen Spielraum zum Streite zu geben, und die Dissonanz zu lösen, durch die ausübende Gewalt des Königs.

Ja selbst unsre Erde scheint diesem Principe zu folgen — auch in ihr findet Ihr eine ewig unruhige geistige Demokratie: das Menschengeschlecht — und eine mächtige unumstößliche Aristokratie: die Elemente. Darüber aber einen ganz ideal constitutionell, d.h. nach unwandelbaren Gesetzen, ohne Haß, noch Partheilichkeit regierenden Gott.

Nur, wo Luxusgesetze bestehen, scheint es dennoch, daß man an Constitutionen nicht denken darf. Denn sie sind ohne Widerspruch jetzt der theuerste Modeartikel am Markt, und man kann deßhalb wohl mit Recht noch viele desastreuse Banqueroute bei den Liebhabern befürchten, ehe ein Land dadurch reich werden wird — man müßte denn eine solche Constitution erfinden, wo alle Hauptposten, der Thron versteht sich à la tête, in jährlichen Licitationsterminen an den Mindestfordernden ausgethan würden.

Die ernste Wahrheit möchte seyn, daß es nicht die Verfassung ist, welche Glück und Freiheit giebt, sondern die Fähigkeit dazu, mit andern Worten: die Gesinnung. Nur der sittliche Zustand der Individuen bedingt und schafft am Ende das Gesetz — die Staatsverfassung. Wo daher die letzte einer gewissen Form wirklich bedarf, gestaltet sich diese Form auch von selbst, es sey nun durch Concession von oben und weise Reform bei Zeiten, oder durch allgemein ausgesprochene, zwingende Meinung, oder durch eine Revolution — aber im Volke muß das Neue jedenfalls schon organisch erwachsen seyn, sonst bleibt es nicht leben. Siehe Spanien, Portugal, und ich fürchte Frankreich und Belgien dazu.


Ist es nicht ein wunderbares Jahrhundert, wo im Orient der türkische Sultan die Moscoviter mit Rosinen und Mandeln füttert, während im Occident, wie voriges Jahr die Zeitungen meldeten, ein Bürgerkönig in Paris mit einem abgesetzten Kaiser aus der neuen Welt, zusammen in Procession durch die Straßen ritten, um den Grundstein zu einem Monumente zu legen, das zu Ehren dreier Revolutionen errichtet wird!

Apropos von Revolutionen: Als die sächsische Diminutivumwälzung und das darauf folgende Kämmerchen-Vermiethen begann, beruhigte der ehrliche Prediger Dinter seine ebenfalls schwierig werdenden Bauern, von der Kanzel herab, mit folgenden Worten: „Lieben Kinder, gebt Euch keine unnütze Mühe. Es mag nun Einer oder Sechshundert in Dresden regieren, Ihr werdet immer gehorchen, zahlen und arbeiten müssen.“ — Was etonnant ist — die Bauern waren so klug, dies vollständig zu capiren.

Es ist übrigens eine wahre Freude zu sehen, wie milde, ja ich möchte sagen: häuslich, sich seitdem die neue Ordnung der Dinge in dem glücklichen Sachsen gestaltet hat. Wie gemüthlich war z.B. die letzte Discussion über die langen und kurzen Taillen der Dienstmädchen, und wie ritterlich nahm sich Herr C. ihrer an. Aber mit noch mehr Rührung las ich neulich, daß eine der Kammern (ich weiß in der That nicht mehr ob Nro. 1 oder 2), eine Deputation ernannt habe, um den Antrag des Pfarrer Gehe über Fangen und Halten der Singvögel zu prüfen. Brav unschuldige Kammer, so ist es recht, laß die losen Vögel pfeifen, und werde nicht irre in deiner Gravität, auch wenn die neuste Gemüthsstimmung deines Gründers über dich selbst kommen sollte, was nicht unmöglich ist — denn nur aus dem Wunsche alles frei zu machen, hat er ja zuletzt die Dachziegel selbst für vogelfrei erklärt.[11]


Die Gazette de France vom Monat Februar 1833 sagt: „Die Deputirtenkammer hat gestern die Unverletzlichkeit des Königs anerkannt und dieses Factum ist für sie ehrenvoll; wenn sie aber jene Unverletzlichkeit des Königs als ein heiliges Princip betrachtet, wie läßt es sich dann erklären, daß die Mitglieder dieser Kammer es billigen, daß dieses Princip in drei Königen, die sich gegenwärtig in Prag befinden, verletzt worden.“