Die Herrschaft muß nun für ihre Transporte selbst große Pferdeparks anschaffen, und die Fourage zum Theil im Auslande kaufen, da unsre Provinz wenig Hafer trägt, die Bauern aber ihren halbwilden Pferdeschlag mit wenig Korn, Stroh und Gras ernährten, was man ihnen nicht nachmachen kann. Der Verlust, den die Herrschaft dadurch jährlich erleidet, ist höchst beträchtlich, wie es bei allen solchen gezwungenen Etablissements in der Regel der Fall ist. Der Circulation, wie dem Verdienst im Lande aber geht eine noch größere Summe jährlich dadurch verloren, welche sonst in der Bauern Tasche floß. Doch wie soll es erst im Kriege werden, wenn man Vorspann, Getreidelieferungen etc. gebraucht? Was soll man dann von diesen kleinen Leuten und den gänzlich entkräfteten Gutsbesitzern noch nehmen, wenn eine Zeit der Noth eintritt, da schon jetzt kaum das Nothdürftigste erzielt wird, und die Königlichen Steuern auf den Dörfern in jenen Gegenden nur durch fortwährende Execution höchst mangelhaft eingetrieben werden können? Man sieht in der That nicht ein, wie dies einmal enden soll!
Um nur einige Orte namhaft zu machen, so fanden sich im Dorfe Gablenz vor zwei Jahren noch 80 Pferde, die man fortwährend beschäftigt sah, jetzt sind, seit ausgeführter Separation, deren noch vier, und in dem kleineren Dorfe Berg, wo man zu derselben Zeit 24 fand, ist kein einziges mehr geblieben. Solche Thatsachen möchten aber eher einen schnellen Fall, als ein langsames Steigen bezeugen, und zugleich einen kleinen Beitrag zu der Wahrheit liefern, daß es keine gefährlichere administrative Maßregeln geben kann, als alles über einen Leisten schlagen zu wollen. Eine Einheit muß freilich da seyn, aber nur die des Geistes, die Details werden billig und zweckmäßig der Localität angepaßt. Aus demselben Grunde wurden, in einer höhern Sphäre, jene so einförmigen, nach der Spanne gezogenen und angezogenen, überexercirten Soldaten bei Jena wie eine Heerde Schafe vom Wolfe gesprengt, weil der Geist fehlte, und besiegten anderseits die bunten, aus hundert heterogenen Theilen an einander gereihten Landwehren den größten Feldherrn des Jahrhunderts, weil der Geist eben in ihnen war.
Brächte die Regulirung nicht diese Abschaffung der Bauerpferde mit sich, und träte das Gesetz nicht hindernd ein, so würde sich überall in den erwähnten Provinzen, schon ein paar Jahre nach ihrer Vollendung das alte Verhältniß, nur unter anderm Namen, von neuem wieder einstellen, wie es für die Handdienste schon sehr häufig geschieht, denn es war das alte System wirklich eben ein solches, das, ohne auf Theorieen Rücksicht zu nehmen, aus der Localität entsprungen, sich durch gegenseitiges Interesse festgestellt und erhalten hatte, und dies zum Vortheil beider Partheien. Es ist nämlich in unsern öden Sandgegenden fast wie in Aegypten. Kleine Landeigenthümer können daselbst nicht wohl auf die Länge bestehen, und das glücklichste Verhältniß für die dortige Bevölkerung ist das: wenn der Grund und Boden nur einem großen Besitzer gehört, und von kleinen, übrigens ganz freien Pächtern oder Bauern, mit billiger Abgabe in natura oder Dienst an den Herrn, für sich selbst bearbeitet wird, dieser aber für deren gutes Durchkommen mit seinen größeren Mitteln sorgen kann, was er aus dem sichersten Grunde von der Welt, dem seines eignen Interesses, auch thun muß, und bisher immer gethan hat. Aber was nicht in das Procrustes-Bett unsrer Staatskünstler paßt, muß ohne Erbarmen abgeschnitten werden, es sey nun zum Heil oder Unheil.
Die Sache gestaltet sich jetzt in ihren Folgen so: Wo der Grundherr, bei weitläuftigen Besitzungen, Land als Entschädigung nimmt, verliert er meistentheils so gut wie Alles, denn entweder muß er für einige hundert Morgen Sandfelder, die vielleicht 2 bis 3 Meilen von seinem Wohnort entfernt im Walde liegen, ein kostspieliges neues Vorwerk erbauen, das ihm nicht einmal die Interessen der Baukosten trägt, oder er muß das Land, als zu entlegene, und deßhalb fast nutzlose, Schafweide verbrauchen, oder endlich bei den weiten, öden Flächen, die er ohnedem schon besitzt, es gleich diesen mit Kiefern besäen, wo er vor 80 Jahren keinen Ertrag gewärtigen kann. Nimmt er aber anstatt Land Rente, so geht der Bauer zu Grunde, weil dieser mit seinem schlechten Lande seinen eignen Kräften allein überlassen, bei den hohen directen und indirecten Landesabgaben, und dem Mangel aller Aushülfe und Unterstützung des Gutsherren, wie des Verdienstes, den er früher durch Lohnfuhren gewann, nach dem geringsten Unfall, und oft selbst ohne diesen nicht bestehen, und die Rente, welche er dem Herrn zahlen soll, in Geld nicht mehr erschwingen kann, während ihm das Aequivalent früher durch Hand- und Pferdearbeit so leicht zu geben war. In ein paar Jahren steht es dann gewöhnlich dem Herrn frei, die Bauernahrung subhastiren zu lassen und nun von neuem einen andern oder denselben Mann, ganz unter den alten Bedingungen, wie sie für Häusler statt fanden, nämlich für Handarbeit, gegen freie Wohnung, Holz und Feld, wiewohl nur auf 12 Jahre (denn länger erlaubt es das Gesetz mit einer im Praktischen zu großer Härte werdenden humanen Theorie nicht,) wieder auf die Nahrung hinzusetzen. Fuhrdienste jedoch bleiben für immer verloren, weil eben nur Tagelöhner-Etablissements, nicht Bauerwirthschaften, auf diese Art wieder auf 12 Jahre herzustellen, vom Gesetz gestattet werden.
Für ein solches trauriges Resultat werden also die als Beispiel angeführten Herrschaften, welche einen Flächeninhalt von 10 Quadratmeilen einnehmen, 40 Jahre lang in ihrem freien Betriebe und Verkehr gelähmt, und für ein solches Resultat zahlen sie in dieser Zeit über 400,000 Rthlr., wovon dem Dominio allein 300,000 zur Last fallen!!! Da nun der Werth besagter Herrschaften hauptsächlich in Wald und Fabriken besteht, die mit der Ablösung nichts zu thun haben, dagegen die Revenüen, welche aus den Diensten und Vorwerken der zu regulirenden 45 Dörfer gezogen werden, kaum 20,000 Rthlr. jährlich erreichen, so kommen die Regulirungskosten dem Besitzer wenigstens auf 75 Procent des höchsten Werthes der Güter zu stehen.
Gutsherr und Bauer verarmen natürlich während eines so gewaltsamen Zustandes immer mehr und sehen, in fruchtloser Verzweiflung, einer übel angewandten und noch weit übler ausgeführten Theorie, zum einzigen Vortheil einer Masse Beamten, die das Gouvernement ohne Noth creirt, und die es, wenn endlich einmal das Geschäft zu Ende kömmt, mit großer Noth wieder los werden wird, partiell eine Generation fast hingeopfert! Es klingt dies hart, aber es ist wahr; und wo wir mit Recht so viel Gutes wie in unserm Vaterlande zu loben haben, wo in einem rein monarchischen, ja militärischen Staate im Allgemeinen mehr Elemente persönlicher Freiheit vorhanden sind, als in allen constitutionellen Monarchieen zusammengenommen, wo endlich einer der edelsten Könige herrscht, der vor der Wahrheit nie sein Ohr unwillig verschließt und nur das Wohl seiner Völker will, da mag es uns auch gestattet seyn, das Mangelhafte nicht zu verschweigen. Denn gewiß bildet die Ablösung der bäuerlichen Verhältnisse, wie sie statt findet, die schwerste, peinlichste, ja oft unleidlichste Abgabe in der Preußischen Monarchie, und die um so pernicieuser wirkt, da sie nur von dem wahren Marks des Staates, dem Grundbesitze zehrt.
Der Mann, von welchem die Preußische Gesetzgebung über die Ablösung bäuerlicher Verhältnisse sich hauptsächlich herschreibt, ein stets exaltirter Enthusiast, starb in der Zwangsjacke im Tollhause, war aber leider schon lange bevor es zu diesem Extreme mit ihm kam, halb verrückt, obgleich er in dieser Zeit nichts desto weniger fortfuhr, noch immer ein Mann von großem Einflusse zu bleiben. Die weitschweifige Pedanterie, die sich nachher des Projectes bemächtigte, that dann noch das Ihrige hinzu, um eine an sich gute Sache durch schlechte Form und Ausführung des größten Theils ihrer wohlthätigen Folgen zu berauben.
Daß es übrigens den genannten Herrschaften nicht allein, sondern hundert andern Gütern eben so geht, habe ich schon erwähnt und springt wohl auch in die Augen, obgleich bei kleinern Verhältnissen das Ergebniß nicht so ausfallend sich herausstellt.
Ob nun unter solchen Umständen der Beifall, den der angezogene Recensent dem Parcellirungssystem, wie es in Preußen statt findet, allgemein angedeihen läßt, (denn ich wiederhole es: in reichen Gegenden und bei Gütern von geringem Umfange können die Resultate sich oft sehr günstig gestalten, obgleich Kosten und Zeit auch dort immer durch die jetzige Verfahrungsart verschwendet werden;) gerechtfertigt erscheinen dürfte, überlasse ich der Beurtheilung des Lesers.