„Nun? woran fehlt es denn? — Was kann Sie abhalten, die beste Stelle im Kreise anzunehmen, die Ihnen so ehrenvoll angeboten wird? Ist es Zuneigung zu meinen Kindern oder eine früher eingegangene Verbindlichkeit? Reden Sie!“ —
„Ach nein! So sehr ich meine Zöglinge liebe, so weiß ich doch, daß ich nicht immer bei Ihnen bleiben kann; aber — kurz, es muß heraus:..... verzeihen Sie mir, ich habe Sie getäuscht; ich bin gar kein Theologe — ich bin Jurist.“ —
„Ist es möglich! In der That, das ist überraschend; aber warum haben Sie sich denn in diesem Fall fortwährend geistlichen Verrichtungen unterzogen — warum Jedermann in dem Glauben gelassen, daß Sie Theologe seyen? Seltsam! Indessen beim Lichte besehen, was schadet es? Was nicht ist, kann noch werden. Ihre Kenntnisse, Ihre Fähigkeiten qualificiren Sie ja, wie Wenige dazu. — Gewiß, die Sache geht! Wir verschaffen Ihnen von Leipzig leicht die nöthigsten Zeugnisse; Sie lassen sich examiniren, Niemand wird besser bestehen, als Sie. Es geht! Lassen Sie mich nur machen; aber die Sache bleibt unter uns. Verstehen Sie?“ —
„Verehrtester Herr K....,“ begann P.... in immer größerer Verlegenheit von Neuem: „es geht nicht! Ich muß Ihnen noch mehr sagen. — Erschrecken Sie nur nicht.... ich bin nicht nur kein Theologe, sondern auch.... kein Christ....“
„Kein Christ? — Herr! sind Sie rasend?“ —
„Nein, rasend nicht, aber ein Jude.“
Im Anfang war die Sache Herrn K.... außer dem Spaß. Nach und nach besänftigte er sich jedoch, zeigte sich aber nichts desto weniger besorgt, nach dem Vorgefallenen, in einem bigotten Lande, wie Sachsen damals war, nun selbst aufs empfindlichste compromittirt zu werden. „Hier ist keine andre Hülfe,“ sagte er endlich, „als wir packen auf, reisen morgen früh nach Dresden und beichten dem Herrn Hofprediger Reinhard Alles grade heraus, wie es sich verhält. Sie müssen sich taufen lassen, das versteht sich von selbst; es ist das Geringste, was Sie thun können, nachdem Sie so oft hier als christlicher Prediger fungirt, und Gesinnungen ausgesprochen haben, mit denen Sie kein Jude bleiben können.“
Gesagt, gethan. Man erschien bei Reinhard, erduldete einigen Sermon, erhielt Absolution, und P.... ward getauft. Des Himmels Segen folgte auf dem Fuße: denn wenige Tage darauf verliebte sich die reiche Wittwe B.... in den jungen Proselyten, ließ ihm durch Reinhard selbst ihre Hand antragen, und ward, da er keine Ursach hatte, diese eben so wie die Pfarrstelle auszuschlagen, in wenig Wochen seine glückliche Frau. Herr P..... ward durch diese heilsame Vereinigung des harten P mit dem weichen B, (wie es die Sachsen unterscheiden) Hofrath, ein Mann von Ansehn, und ist jetzt, nach gewonnener Muße, überdies noch ein beliebter Schriftsteller und Redacteur eines viel gelesenen Blattes geworden. Wie seltsam werden die Auserwählten geführt!
Da einmal vom Freyen die Rede ist, so benutze ich die Gelegenheit, als letzten Zettel aus meinem Topfe, folgende Betrachtung hervorzuziehen.