Zur Beherzigung reicher Mädchen.
In der Regel heirathen reiche Mädchen unglücklich, und in der Regel ist es ihre Schuld. Eine falsch verstandene Eitelkeit empört sich bei dem Gedanken, daß man sie ihres Geldes wegen heirathen wolle. Ihrer selbst willen soll es geschehen.
Unter diesem selbst verstehen sie aber nicht etwa ihre Tugend, denn die kann erst die Folge zeigen und bewähren, sondern bloß ihre äußere Erscheinung, ihre Schönheit, ihre Grazie, ihre Liebenswürdigkeit. Sind dieß nicht Alles äußere Dinge, die mit dem Reichthum vollkommen auf einer Stufe stehen, außer, daß sie weniger dauernd sind! Aber selbst Mädchen, bei deren Geburt keine einzige der Grazien gelächelt, die den Musen auch wenig zu verdanken haben, und denen selbst der gewinnende Ausdruck der Güte und eines liebenden Herzens fehlt, — selbst solche sind mir vorgekommen, die mit zwei Millionen Mark, oder Franken, oder Thaler etc. um ihrer selbst willen geliebt werden wollten!!
Ist dieß nicht über alle Maße lächerlich, und heißt es nicht: den einzigen reellen und sehr werthvollen Vortheil verkennen, um chimärischen und absurden Hoffnungen Raum zu geben? —
Ein Mann handelt niedrig, wenn er ein Mädchen, die ihm nicht behagt, bloß um ihres Geldes willen heirathet, aber er handelt nur vernünftig, wenn er dies Geld, als ein wichtiges Mittel zum Glück, mit in die Wagschale seiner Wahl legt.
Ein Frauenzimmer aber sollte sich wenig um die Motive kümmern, die ein Liebhaber haben kann, der um sie freyt — sie wird darüber von dem Schlechtesten, d.h. von dem gewandtesten Heuchler, am leichtesten betrogen werden — sondern nur sich zu überzeugen suchen, erstens: ob seine Persönlichkeit ihr convenire; dann, ob seine Sitten, seine Launen erträglich seyen; vor allem aber: ob er hinlängliche Charakterstärke und edle Gemüthsart besitze, um sie würdig in der Welt zu stellen, und immer gut behandeln zu können; fehlt ihm auch nur eins von beiden: so kann er dies nicht, wenn er sie auch aus der blindesten Liebe allein geheirathet hätte, denn das Wollen reicht nicht dazu aus. Arme reiche Mädchen! Ihr seyd übel daran und je länger ihr zaudert, jemehr Anwartschaft habt ihr darauf, aus zu großer Vorsicht alte Jungfern zu werden, oder nach langer Wahl die erbärmlichste zu vollziehen.
Liest eine von euch dieß, die noch ledig ist, und hübsch versteht sich, so rathe ich ihr sich um mich zu bewerben, vorausgesetzt, daß sie im unglücklichen Falle sich nicht zu sehr vor einem Korbe fürchtet und im glücklichen sich behelfen kann —
„Denn mein Haus ist klein,
Vier Breter schließen’s ein!“