Ich hörte nicht sehr auf das Weitere, da mein Fuß allmählich in einen colossalen Pelzschuh gerathen war, der unter dem Wahrsagertische für alle sonstigen Gäste bereit stand, und eben ein allerliebstes kleines Weiberfüßchen dieselbe warme Stelle aufsuchte, was mich natürlich sehr zerstreute. Viel zu schnell für mich hatte daher die Wahrsagerin uns Allen ausprophezeiht.

Wir mußten aufbrechen, und da es schon spät war, beschlossen wir den Rest des Abends bei Mad. Gai zuzubringen. Die gefeierte Madame Recamier schmückte diesen Cirkel, der geistreiche Koreff unterhielt ihn in seiner besten Laune, unsere Wirthin übertraf sich selbst, der General Maison erzählte schlicht, aber interessant von seinen Campagnen, ein viel versprechender Neffe des großen Alfieri musicirte mit Mad. Gail, kurz, die Unterhaltung brach keinen Augenblick ab, und mischte fortwährend utile dulci.

Endlich verschwand jedoch leise einer nach dem andern. Ich blieb zuletzt. „Wissen Sie wohl,“ sagte jetzt die Frau vom Hause, „daß meine Freundin weit besser wahrzusagen versteht, als Mademoiselle Lenormand?“

„In der That? o bitte,“ wandte ich mich an Madame Gail, „commentiren Sie mir also der alten Zauberin Räthsel durch eine neue Kartenlegung.“ „Volontiers“ erwiderte die stets Gefällige, man brachte Karten und die Session begann. Sie vertiefte sich ganz in die starren bunten Bilder, und sagte nur von Zeit zu Zeit etwas ziemlich Unbedeutendes. Da schlug es Mitternacht. Sie horchte auf den Klang, blickte auf die Karten, erblaßte, warf sie alle unter einander, und brach zu unsrem größten Erstaunen in lautes Schluchzen aus. „Mein Gott!“ rief ich ganz erschrocken, „was ist Ihnen? sterbe ich vielleicht noch heut Nacht, und danke Ihrem Mitleid diese rührenden Thränen?“ —

„Non,“ dit elle, „tranquillez vous, ce n’est pas votre mort, que j’ai vu dans les cartes — c’est la mienne.“

Wir wollten lachen, es ging aber nicht recht. Madame Gail, die mit ihrer Freundin in demselben Hause wohnte, verließ kurz darauf das Zimmer in heftiger Bewegung, auch unsere Verstimmung blieb, und als ich bei hellem Mondschein nach Hause ging, war es mir, als würde ich von unheimlichen Geistern begleitet.

Einige Tage darauf frug mich der Staatskanzler, ob es wahr sey, daß ich den Gesandtschaftsposten in Constantinopel wünschte. Gott bewahre, versicherte ich, Mademoiselle Lenormand hat mir nur vorgestern dort den Tod im Wasser prophezeiht, und ich ziehe vor, hier auf dem Trocknen zu bleiben. Der Kanzler lachte, und es war von der Türkei zwischen uns nicht mehr die Rede.

Drei Monat später schrieb mir Madame Gai von Paris: Notre pauvre amie n’existe plus. Une fluxion de poitrine l’a emportée en trois jours. Elle s’est souvenue de vous plus d’une fois sur son lit de mort. A minuit précise elle a rendu le dernier soupir.