Da unten aber ist’s fürchterlich!

Und der Mensch versuche die Götter nicht,

Und begehre nimmer und nimmer zu schauen,

Was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen.

Aus neuerer Zeit.

In einem Buche, das viel gelesen wird, und manche ergötzliche Anekdote enthält, obgleich es untrügliche Zeichen an sich trägt, daß es nicht von einem Manne geschrieben ist, der in der großen Welt und in der guten Gesellschaft einheimisch war, vielmehr nur einem Verfasser angehört, „qui a ecouté aux portes“ wie der Abbé Voisenon es so treffend bezeichnet, — in diesem Buche, sage ich, wird über die Geschichte eines dänischen Staatsgefangenen, des Baron Müller, absichtlich ein geheimnißvolles Dunkel verbreitet, und diesem Manne eine Wichtigkeit beigelegt, die er keineswegs verdient.

Da ich ihn gut gekannt und wider meinen Willen in Verhältnisse mit ihm gerieth, die ihn vollkommen charakterisiren werden, so mögen sie hier als Berichtigung einen Platz finden.

Herr von Müller war nichts als ein vollendeter Avanturier, der sich überdies nur aus eigner Machtvollkommenheit zum Baron und Obristen gestempelt hatte, und wenn er in Dänemark als Offizier der Ehrenlegion aufgetreten ist, auch diese Decoration sich nur selbst ertheilt haben kann.

Er hatte allerdings ein imposantes Aeußere mit dem Anstrich eines Mannes von Welt, und da es ihm nicht an persönlichem Muth gebrach, (den er jedoch, wie die Folge lehren wird, nie unnütz verbrauchte), so war es einer seiner Haupterwerbungszweige, durch Herausforderungen und Händelsuchen sich Ansehn und Geld zu verschaffen.

Ich war noch sehr jung und unerfahren, als ich ihn in der Schweiz kennen lernte, wo er sich an mich drängte, mir durch seine gravitätischen Windbeuteleien, die ich alle für baare Münze nahm, leicht imponirte, und während meines vierzehntägigen Aufenthalts in....., dort ziemlich auf meine Kosten zu leben wußte. Einige warnten mich zwar vor ihm, und sagten mir unter andern, daß er sich mit seiner Familie gänzlich überworfen habe, und diese wegen schlechter Streiche nichts mehr von ihm wissen wolle, da er indeß selbst dies Verhältniß gar nicht leugnete, ihm aber nur ganz andre, für ihn ehrenvolle Motiven unterlegte, so achtete ich wenig darauf, um so weniger, da ich in dieser Zeit selbst mit meinem Vater auf einem für mich höchst traurigen, gespannten Fuße stand, und gewissermaßen in einem freiwilligen Exil im Auslande lebte. Mit dem leichtsinnigen Vertrauen der Jugend theilte ich Herrn v. Müller alle diese Umstände mit, und äußerte sogar einmal, daß ich mit dem Gedanken umginge, gegen die Versicherung einer lebenslänglichen Rente dem von meinem Vater gewünschten Familienbesitz ganz zu entsagen.