„Da liegt er auf dem Sofa! Und was wollen Sie?“ Dieses familiäre „Und was wollen Sie?“ traf den gezierten Herrn wie ein Hieb, und fast hätte er sich zu Rasumichin umgewandt, aber er hielt sich noch rechtzeitig zurück und wandte sich schnell wieder an Sossimoff.

„Da ist Raskolnikoff!“ brummte Sossimoff und wies auf den Kranken hin, dann gähnte er, wobei er ungewöhnlich weit seinen Mund aufsperrte und ihn ungewöhnlich lange in dieser Lage behielt. Dann bewegte er die Hand langsam zu der Westentasche, zog eine riesige, dicke, goldene Uhr hervor, öffnete den Deckel, sah nach und steckte sie ebenso langsam und träge wieder ein.

Raskolnikoff selbst lag die ganze Zeit schweigend auf dem Rücken und blickte unverwandt, scheinbar gedankenlos, den Eingetretenen an. Sein Gesicht, das er jetzt von der interessanten Blume in der Tapete abgewandt hatte, war außerordentlich bleich und drückte ein ungewöhnliches Leiden aus, als hätte er soeben eine qualvolle Operation durchgemacht, oder als hätte er eine Tortur hinter sich. Der eingetretene Herr aber begann allmählich seine Aufmerksamkeit mehr und mehr zu erregen, es tauchten in ihm Zweifel, Mißtrauen und sogar anscheinend Furcht auf. Als aber Sossimoff auf ihn hinwies und „da ist Raskolnikoff“ sagte, erhob er sich schnell, wie auffahrend, setzte sich auf sein Bett und sagte mit fast herausfordernder, aber schwankender und schwacher Stimme:

„Ja. Ich bin Raskolnikoff! Was wollen Sie?“

Der Besucher blickte ihn aufmerksam an und sagte mit Betonung:

„Peter Petrowitsch Luschin. Ich habe die sichere Hoffnung, daß mein Name Ihnen nicht ganz unbekannt sei.“

Raskolnikoff aber, der etwas ganz anderes erwartet hatte, blickte ihn stumpf und nachdenklich an und antwortete nichts, als ob er Peter Petrowitschs Namen entschieden zum erstenmal höre.

„Wie? Haben Sie bis jetzt noch keine Nachrichten über mich erhalten?“ fragte Peter Petrowitsch mit einer Bewegung unangenehmer Überraschung.

Anstatt zu antworten, ließ sich Raskolnikoff langsam auf das Kissen nieder, steckte die Hände unter den Kopf und begann die Zimmerdecke zu betrachten. Eine bedrückte Stimmung zeigte auf Luschins Gesicht starke Betroffenheit. Sossimoff und Rasumichin fingen an, ihn mit noch größerer Neugierde anzusehen, und er wurde sichtlich verlegen.

„Ich nahm an und rechnete bestimmt darauf,“ murmelte er, „daß der Brief, der schon vor mehr als zehn Tagen, vielleicht sogar vor vierzehn Tagen abgesandt ist ...“