„Ich ... ich ... bin nur auf einen Augenblick gekommen, verzeihen Sie, daß ich Sie gestört habe,“ – sagte sie stockend.

„Ich komme im Auftrage Katerina Iwanownas, sie hatte sonst niemanden zum Schicken ... Und Katerina Iwanowna läßt Sie sehr bitten, zu der Totenmesse morgen früh ... zu kommen. Nach dem Gottesdienst ... auf dem Mitrofaniewschen Friedhof und nachher bei uns ... bei ihr ... zu essen ... Ihr die Ehre zu erweisen ... Sie läßt Sie bitten.“

Sie stockte und verstummte.

„Ich will es unbedingt versuchen ... unbedingt,“ – antwortete Raskolnikoff, indem er sich auch erhob, ebenso stockte und nicht ausredete. – „Bitte, tun Sie mir den Gefallen, setzen Sie sich,“ – sagte er plötzlich, – „ich muß mit Ihnen sprechen. Bitte, – Sie haben es vielleicht eilig, – tun Sie mir aber den Gefallen und schenken Sie mir nur noch zwei Minuten ...“ und er schob ihr den Stuhl hin. Ssonja setzte sich wieder, und wieder warf sie schüchtern und verstört einen schnellen Blick auf die beiden Damen und senkte sogleich wieder die Augen.

Das bleiche Gesicht Raskolnikoffs errötete; er schien wie umgewandelt, seine Augen funkelten.

„Mama,“ – sagte er fest und eindringlich, – „das ist Ssofja Ssemenowna Marmeladowa, die Tochter des unglücklichen Herrn Marmeladoff, der gestern vor meinen Augen vom Pferde zu Boden getreten wurde, was ich Ihnen schon erzählt habe ...“

Pulcheria Alexandrowna blickte nach Ssonja und kniff ein wenig die Augen zusammen. Trotz ihrer Verlegenheit vor dem eindringlichen und herausfordernden Blicke Rodjas konnte sie sich dieses Vergnügen nicht versagen. Dunetschka sah ernst und unverwandt dem armen Mädchen ins Gesicht und betrachtete sie unschlüssig. Als Ssonja diese Vorstellung hörte, erhob sie die Augen auf einen Augenblick und wurde noch mehr verlegen.

„Ich wollte Sie fragen,“ – wandte sich Raskolnikoff schnell zu ihr, – „wie hat sich heute alles bei Ihnen gemacht? Hat man sie nicht belästigt? ... Zum Beispiel die Polizei.“

„Nein, alles ging glatt ... Es war doch deutlich zu sehen, woran er gestorben ist; man hat uns weiter nicht belästigt, nur die Mieter sind böse.“

„Warum?“