„Weil die Leiche so lange steht ... jetzt ist es doch heiß, es gibt einen Geruch ... so daß man die Leiche heute zur Abendmesse auf den Friedhof tragen wird, und läßt sie dort bis morgen in der Kapelle stehen. Katerina Iwanowna wollte es zuerst nicht, jetzt aber sieht sie selbst ein, daß es so besser ist ...“

„Also heute?“

„Sie bittet Sie, uns die Ehre zu erweisen, morgen bei der Totenmesse in der Kirche zu sein, und dann bei ihr zu essen.“

„Sie gibt zu seinem Andenken ein Essen?“

„Ja, einen Imbiß; sie läßt Ihnen sehr danken, daß Sie gestern uns geholfen haben ... ohne Sie wäre gar nichts da, womit man ihn hätte beerdigen können.“

Ihre Lippen und ihr Kinn bebten plötzlich, aber sie nahm sich zusammen, hielt an sich, und senkte wieder die Augen zu Boden.

Während des Gespräches schaute sie Raskolnikoff unverwandt an. Sie hatte ein zartes, ganz mageres und blasses Gesichtchen, ziemlich unregelmäßige Züge, mit einer spitzen kleinen Nase und ebensolchem Kinn. Man konnte sie nicht einmal hübsch nennen, aber ihre blauen Augen waren so klar, und, wenn sie sich belebten, wurde der Ausdruck ihres Gesichtes so gut und schlicht, daß sie einen unwillkürlich anzog. In ihrem Gesichte und auch in ihrer ganzen Gestalt lag außerdem etwas besonders Charakteristisches, – trotz ihrer achtzehn Jahre sah sie jünger aus als sie war, fast wie ein Kind, und dies zeigte sich zuweilen in gelungener Weise bei einigen ihrer Bewegungen.

„Aber wie konnte denn Katerina Iwanowna mit so wenig Mitteln auskommen, und hat dazu noch die Absicht, ein Essen zu geben?“ ... fragte Raskolnikoff, bestrebt, das Gespräch fortzuführen.

„Der Sarg ist einfach ... und alles ist einfach, so daß es nicht teuer kommt ... wir haben vorhin mit Katerina Iwanowna alles ausgerechnet, es bleibt noch so viel übrig, um sein Andenken zu ehren ... und Katerina Iwanowna möchte das so sehr gern. Man kann nichts dagegen sagen ... ihr ist es ein Trost ... so ist sie nun, Sie wissen doch ...“

„Ich verstehe, verstehe ... Selbstverständlich ... Warum betrachten Sie so mein Zimmer? Meine Mama sagt auch, daß es einem Sarge ähnelt.“