„Wie du willst, ich begleite dich aber!“

„Was, willst auch du mich quälen!“ rief er mit solcher bitteren Gereiztheit und solcher Verzweiflung im Blicke, daß Rasumichin fassungslos wurde.

Er blieb eine Weile auf der Außentreppe stehen und sah finster zu, wie jener schnell in der Richtung nach seiner Wohnung dahinschritt. Schließlich biß er die Zähne zusammen, ballte die Faust, schwur sich selbst, daß er heute noch den ganzen Porphyri wie eine Zitrone ausquetschen würde, und ging die Treppe hinauf, um Pulcheria Alexandrowna, die durch ihre lange Abwesenheit schon aufgeregt war, zu beruhigen.

Als Raskolnikoff bei seinem Hause anlangte, waren seine Schläfen mit Schweiß bedeckt und er atmete schwer. Er eilte die Treppe hinauf, trat in seine nicht abgeschlossene Wohnung und hakte sofort die Türe zu. Dann stürzte er erschreckt und wie wahnsinnig zu der Ecke, zu dem Loche hinter den Tapeten, wohin er damals die Sachen gelegt hatte, steckte die Hand hinein und scharrte einige Minuten aufs höchste erregt in dem Loche und untersuchte alle Ecken und Falten der Tapete. Als er nichts fand, stand er auf und holte tief Atem. Als er sich vorhin der Treppe von Bakalejeff näherte, war es ihm plötzlich in den Sinn gekommen, daß irgendeine Sache, eine Kette oder ein Manschettenknopf etwa, oder auch ein Stück Papier, in dem sie eingewickelt waren, mit einem Vermerk von der Hand der Alten auf irgendeiner Spalte liegen geblieben sein konnte und als ein unerwarteter und unabwendbarer Beweis vor ihnen auftauchen konnte.

Er stand, wie in Nachdenken versunken und ein sonderbares, demütiges, halb sinnloses Lächeln umspielte seine Lippen. Er nahm seine Mütze und ging langsam hinaus. Seine Gedanken irrten umher. Nachdenklich trat er unter das Tor.

„Da ist der Herr selbst!“ rief eine laute Stimme; er erhob den Kopf.

Der Hausknecht stand an der Türe seiner Kammer und zeigte auf einen nicht sonderlich großen Mann, der wie ein Kleinbürger aussah, und der mit einem Mantel, einem Schlafrock ähnlich, und einer Weste bekleidet war und von weitem eine große Ähnlichkeit mit einem Weibe hatte. Sein Kopf, mit einer fettigen Mütze bedeckt, hing nach vorne, die ganze Gestalt schien gekrümmt. Sein schlaffes, runzeliges Gesicht deutete auf ein Alter über fünfzig; die kleinen verschwommenen Augen blickten finster, ernst und mißvergnügt drein.

„Was soll’s?“ fragte Raskolnikoff und trat zu dem Hausknechte.

Der Kleinbürger wendete seine Augen zu ihm und blickte ihn unter der Stirn hervor durchdringend, aufmerksam und andauernd an; dann wandte er sich um und ging, ohne ein Wort gesagt zu haben, zum Tore auf die Straße hinaus.

„Ja, was ist denn das?“ rief Raskolnikoff.