„Katerina Iwanowna hat Sie doch wohl geschlagen, als Sie beim Vater lebten?“

„Ach nein, wie kommen Sie darauf, nein, nein!“ Ssonja blickte ihn voll Schrecken an.

„Also, Sie lieben sie?“

„Sie? Warum denn nicht!“ sagte Ssonja klagend und faltete mit leidendem Ausdruck die Hände. „Ach! Sie ... Wenn Sie nur wüßten. Sie ist ja ganz wie ein Kind ... Ihr Verstand ist ja wie gestört ... vor lauter Kummer. Und wie sie klug war ... wie großmütig ... wie gut! Sie wissen nichts, nichts ... ach!“

Ssonja sagte dies wie in Verzweiflung, aufgeregt, darunter leidend und händeringend. Ihre bleichen Wangen erröteten wieder und in ihren Augen drückte sich eine tiefe Qual aus. Man sah, daß in ihr sehr vieles durch seine Worte wachgerufen worden war und daß sie gern etwas äußern und sagen und für Katerina Iwanowna eintreten wollte. Ein unerschöpfliches Mitleid, wenn man sich so ausdrücken darf, lag in ihrem Gesichte.

„Sie soll mich geschlagen haben! Ja, wie kommen Sie dazu! Oh, Gott, sie mich schlagen! Und wenn sie mich auch geschlagen hätte, was wäre dabei! Was wäre dabei! Sie wissen nichts, gar nichts ... Sie ist so unglücklich, ach, wie unglücklich sie ist! Und sie ist krank ... Sie sucht Gerechtigkeit ... Sie ist rein. Sie glaubt so daran, daß in allem Gerechtigkeit sein müsse und verlangt sie ... Und Sie können sie quälen, sie wird nichts Ungerechtes tun. Sie merkt selbst nicht, wie unmöglich es ist, daß es unter den Menschen gerecht zugehe und ist reizbar ... Sie ist wie ein Kind, wie ein Kind! Sie ist gerecht, gerecht!“

„Und was wird mit Ihnen geschehen?“

Ssonja blickte ihn fragend an.

„Die Last ist doch auf Ihren Schultern geblieben. Es ist wahr, auch früher lag alles auf Ihren Schultern, und der Verstorbene kam auch zu Ihnen mit seinen Bitten, um zu einem Gläschen zu kommen. Aber was wird jetzt werden?“

„Ich weiß es nicht,“ erwiderte Ssonja traurig.