„Frische Luft hereinlassen! und etwas Wasser müssen Sie trinken, mein Lieber, es ist ja ein Anfall!“ – und er wollte zur Türe stürzen, um nach Wasser zu schicken, fand jedoch hier selbst in einer Ecke eine volle Karaffe.
„Da, Väterchen, trinken Sie,“ – flüsterte er, mit der Karaffe zu ihm eilend, – „vielleicht hilft es ...“
Die Angst und selbst die Teilnahme von Porphyri Petrowitsch waren so natürlich, daß Raskolnikoff verstummte und mit Neugier ihn betrachtete. Das Wasser nahm er nicht an.
„Rodion Romanowitsch! Lieber! Ja, in dieser Weise werden Sie noch den Verstand verlieren, ich versichere Sie! Ach! Trinken Sie! Trinken Sie wenigstens etwas!“
Er zwang ihn doch, das Glas Wasser in die Hand zu nehmen. Raskolnikoff führte es mechanisch an die Lippen, besann sich aber und stellte es mit Widerwillen auf den Tisch.
„Ja, Sie haben einen kleinen Anfall gehabt! In dieser Weise werden Sie, mein Lieber, wieder, wie früher schon, krank,“ – begann mit freundschaftlicher Teilnahme Porphyri Petrowitsch, und anscheinend noch fassungslos. – „Mein Gott! Ja, wie kann man sich so wenig schonen? Gestern war Dmitri Prokofjitsch bei mir gewesen, – ich gebe zu, ich habe einen schlimmen, böswilligen Charakter, – aber was sie alles für Schlüsse daraus ziehen ... Mein Gott! Er kam gestern zu mir, als Sie fortgegangen waren, wir saßen beim Mittagessen, er redete und redete, ich staunte bloß ... kam er etwa in Ihrem Auftrage? Ja, so setzen Sie sich doch, Väterchen, nehmen Sie Platz um Christi willen!“
„Nein, er kam nicht in meinem Auftrage! Aber ich wußte, daß er zu Ihnen gehen und warum er zu Ihnen gehen würde,“ – antwortete Raskolnikoff scharf.
„Sie wußten es?“
„Ich wußte es. Nun, was ist denn dabei?“
„Ja, Väterchen, Rodion Romanowitsch, ich weiß noch ganz andere Dinge von Ihnen; ich weiß alles! Ich weiß auch, wie Sie, als es dunkelte, in der Nacht eine Wohnung zu mieten gingen, an der Glocke klingelten, und nach dem Blut fragten, und die Arbeiter und die Hausknechte verwirrt machten. Ich verstehe auch Ihre damalige Seelenstimmung ... aber Sie werden sich in dieser Weise um den Verstand bringen, bei Gott! Werden zugrundegehen! Eine starke, edle Entrüstung kocht in Ihnen gegen die empfangenen Kränkungen, zuerst vom Schicksal, dann von den Polizeibeamten, darum stürzen Sie auch hierhin und dorthin, um sozusagen schneller alle zum Sprechen zu bringen, und um allem mit einem Male ein Ende zu machen, denn dieser Unsinn und dieser ganze Verdacht ist Ihnen zum Überdruß. Ist es nicht so? Habe ich die Stimmung erraten? ... Und in dieser Weise werden Sie nicht allein zugrunde gehen, sondern ziehen auch unseren Rasumichin hinein, er ist doch dafür ein zu guter Mensch, Sie wissen es ja selbst. Bei Ihnen ist es eine Krankheit, bei ihm Tugend ... die Krankheit könnte auch ihn anstecken ... Ich will Ihnen, Väterchen, wenn Sie sich beruhigt haben, etwas erzählen ... aber setzen Sie sich doch um Christi willen, Väterchen! Bitte, ruhen Sie sich aus, Sie sehen blaß aus, ja, setzen Sie sich doch!“ Raskolnikoff setzte sich hin, das Zittern ging vorüber, und sein ganzer Körper begann zu glühen. Mit tiefem Erstaunen und aufmerksam hörte er dem erschrockenen und freundschaftlich um ihn bemühten Porphyri Petrowitsch zu. Aber er glaubte keinem einzigen seiner Worte, obwohl er eine seltsame Neigung empfand zu glauben. Die unerwarteten Worte Porphyri Petrowitsch’ über die Wohnung hatten ihn äußerst bestürzt. – „Wie, er weiß also von der Wohnung?“ – dachte er plötzlich, – „und erzählt es mir selbst!“