Wieder ein Schutzmann! Nun, was willst du?“

Es drängte sich ein Schutzmann durch die Menge. Gleichzeitig näherte sich ihr ein Herr im Dienstrocke und Mantel, ein höherer Beamter, mit einem Orden am Halsbande – dieser Umstand war Katerina Iwanowna sehr erwünscht und hatte selbst Einfluß auf den Schutzmann, – und überreichte ihr schweigend einen grünen Dreirubelschein. Sein Gesicht drückte aufrichtiges Mitleid aus. Katerina Iwanowna nahm das Geld und verbeugte sich höflich, fast förmlich.

„Ich danke Ihnen, mein Herr,“ begann sie von oben herab, „die Gründe, die uns gezwungen haben ... nimm das Geld, Poletschka. Du siehst, es gibt noch edle und großmütige Menschen, die sofort bereit sind, einer armen adligen Dame im Unglücke zu helfen. Sie sehen adlige Waisen vor sich, mein Herr, man kann sogar sagen, mit aristokratischsten Verbindungen ... Und dieser Kerl von einem General saß am Tische und aß Haselhühner ... stampfte mit den Füßen, weil ich ihn gestört habe ... ‚Eure Exzellenz,‘ sagte ich, ‚schützen Sie die Waisen, da Sie den verstorbenen Ssemjon Sacharytsch gut kannten,‘ sagte ich, ‚und weil der gemeinste aller Schufte seine leibliche Tochter an seinem Todestage verleumdet hat ...‘ Wieder kommt dieser Schutzmann! Schützen Sie mich!“ rief sie dem Beamten zu, – „was will dieser Schutzmann von mir? Wir sind schon vor einem weggelaufen ... Nun, was geht es dich an, Dummkopf!“

„Es ist in den Straßen verboten. Machen Sie keinen Skandal!“

„Du bist selbst ein Skandalmacher! Ich gehe herum, wie jeder Leierkastenmann, was geht es dich an?“

„Zu einem Leierkasten muß man eine Erlaubnis haben. Sie sammeln aber in dieser Weise das Volk an. Wo wohnen Sie?“

„Wie, Erlaubnis,“ schrie Katerina Iwanowna. – „Ich habe heute meinen Mann beerdigt, was ist da für eine Erlaubnis nötig!“

„Bitte, beruhigen Sie sich, Madame,“ begann der vornehme Beamte, „kommen Sie, ich will Sie begleiten ... Hier unter den Leuten ist es unpassend ... Sie sind krank ...“

„Mein Herr, mein Herr, Sie wissen gar nicht!“ schrie Katerina Iwanowna, „wir wollen auf den Newski Prospekt gehen ... Ssonja, Ssonja! Wo ist sie denn? Sie weint auch! Was ist denn mit euch allen! ... Kolja, Lene, wohin geht ihr denn?“ rief sie plötzlich im Schreck, „oh, die dummen Kinder! Kolja, Lene, ja, wohin laufen sie denn? ...“

Als Kolja und Lene, bis aufs äußerste von der Menschenmenge und von der wahnsinnigen Mutter erschreckt, den Schutzmann erblickten, der sie nehmen und irgendwohin führen wollte, faßten sie einander wie auf Verabredung an den Händchen und liefen davon. Mit Geschrei und Weinen stürzte die arme Katerina Iwanowna ihnen nach, um sie einzuholen. Es war widerwärtig und traurig zu sehen, wie sie weinend und keuchend lief. Ssonja und Poletschka eilten ihr nach.