Der phantastischste Mensch, der bis zum Wahnsinn von der phantastischsten Illusion, die man sich nur denken kann, überzeugt ist, wird plötzlich von Zweifeln befallen, die seinen ganzen Glauben zu erschüttern drohen. Und merkwürdig ist, was diese Zweifel hervorruft: nicht die Ungereimtheit seines anfänglichen Wahnes, noch die Schilderung jener zum Wohle der Menschheit abenteuernden Ritter, noch der Unsinn der Zauberwunder, von denen die „wahrheitsgetreuesten“ Bücher erzählen; nein, es ist ein gänzlich nebensächlicher Umstand, der plötzlich Zweifel in ihm erweckt. Der phantastische Mensch wird plötzlich von der Sehnsucht nach dem Realismus erfaßt! Nicht die Tatsache, daß plötzlich Heere hervorgezaubert werden, verwirrt ihn: oh, das ist nicht dem geringsten Zweifel unterworfen! Wie hätten denn sonst diese prächtigen Ritter ihren Heldenmut beweisen können, wenn ihnen nicht solche Prüfungen geschickt worden wären, wenn es nicht neidische Riesen und böse Zauberer gegeben hätte? Das Ideal des fahrenden Ritters ist so hoch, so schön und nützlich und hat das Herz des edlen Don Quijote so bezaubert, daß der Verzicht auf den bedingungslosen Glauben an dasselbe für ihn bereits unmöglich geworden ist, ja dem Verrat der Pflicht, dem Verrat der Liebe zu Dulcinea und zur Menschheit gleichgekommen wäre. (Als er aber auf alles verzichtet hatte, als er von seinem Wahn geheilt und „klüger“ geworden war, – nach der Rückkehr von seiner zweiten Ausfahrt, auf der er von dem Barbier Carasco, dem Verneiner und Satiriker mit der „gesunden Vernunft“, geschlagen worden war – da starb er alsbald, still und mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen, indem er noch den weinenden Sancho tröstete, die ganze Welt liebte mit der großen Kraft jener Liebe, die in seinem heiligen Herzen eingeschlossen war, und doch noch einsah, daß er auf dieser Welt nichts mehr zu tun hatte.) Nein, es verwirrte ihn nur – eine durchaus richtige, vollkommen mathematische Erwägung: daß es, wie sehr der mächtige Ritter auch mit dem Schwerte um sich schlagen und wie stark er auch sein mag, immerhin unmöglich ist, ein Heer von hunderttausend Mann in wenigen Stunden, oder sagen wir, selbst in einem Tage, zu besiegen, und zwar: bis auf den letzten Mann! So aber steht es in den wahrheitsgetreuesten Büchern. Folglich steht dort ein Lüge? Ist aber schon eines Lüge, dann ist auch alles andere Lüge. Wie nun die Wahrheit retten? Und siehe, da denkt er sich denn zur Rettung der Wahrheit eine andere Illusion aus, eine, die zweimal, dreimal phantastischer, einfältiger und unsinniger ist als die erste, denkt sich hunderttausend hervorgezauberte Menschen mit Molluskenleibern aus, durch die aber dafür das scharfe Schwert des Ritters zehnmal leichter und schneller hindurchgehen kann als durch die gewöhnlichen Menschenleiber! Der Realismus ist also befriedigt, die Wahrheit gerettet, und an die erste Hauptillusion kann er nun ruhig weiterglauben; und das wiederum einzig dank der zweiten, viel unsinnigeren Illusion, die er sich bloß zur Rettung des Realismus der ersten ausgedacht hat.
Man gehe doch in sich und prüfe sich: ist nicht mit jedem von uns ganz dasselbe schon hundertmal im Leben geschehen? Nehmen wir an, ihr habt einen eurer Träume liebgewonnen, eine Illusion, eine Idee, eine Überzeugung oder irgendeine äußere Tatsache, die euch erschüttert, oder schließlich ein Weib, das euch bezaubert hat. Mit eurer ganzen Seele gebt ihr euch dem Gegenstande eurer Liebe hin. Doch – seid ihr auch noch so verblendet, noch so von eurem Herzen bestochen: ist in diesem Gegenstand eurer Liebe eine Lüge, irgend etwas, das ihr selbst durch eure Leidenschaft entstellt habt, das ihr in dem ersten Drang und Aufschwung eurer Seele nicht sehen gewollt – nur um aus diesem Gegenstande euer Idol machen und es dann anbeten zu können, – so wird doch schon der Zweifel an euch herankriechen. Nur im geheimen natürlich, nur im tiefsten Innersten werdet ihr es fühlen, werdet ihr es bangend fühlen, wie der Zweifel an euch herankriecht, euch benagt, euren Verstand zerrt, sich durch eure Seele windet und euch ewig hindert, mit eurem liebgewonnenen Traume in Frieden zu leben. Nun, erinnert ihr euch vielleicht, womit ihr euch dann beruhigt habt? Habt ihr euch dann nicht einen neuen Traum ausgedacht, eine neue Lüge, vielleicht sogar eine furchtbar unvollkommene, grobe Lüge, an die aber zu glauben ihr euch in Liebe beeiltet, nur weil sie euch von eurem ersten Zweifel befreite?
Mollusken, die man für Menschen hält.
Was ist für uns vorteilhafter: wenn man über uns die Wahrheit weiß, oder wenn man über uns Unsinn schwätzt?
Heutzutage hat sich Europa in die Türken verliebt, natürlich – mehr oder weniger. Früher, zum Beispiel vor einem Jahr, da wußte man im Westen wenigstens, daß es nur aus Haß gegen Rußland geschah, wenn man sich bemühte, in den Türken irgendeine große nationale Kraft zu entdecken. Wie hätten die klugen Europäer es auch nicht einsehen sollen, daß in der Türkei die Kräfte eines regelrechten gesunden Nationalorganismus weder sind noch sein können, ja, daß ein Organismus vielleicht überhaupt nicht mehr vorhanden ist (dermaßen faul und zerfressen ist er), und daß die Türken nur eine asiatische Horde, nicht aber einen regelrechten Staat bilden. Jetzt jedoch, seit der Zeit, da die Türkei gegen Rußland Krieg führt, hat sich allmählich an bestimmten Stätten Europas die tatsächlich ernste Überzeugung festgesetzt, daß diese Nation nicht nur überhaupt einen Organismus ausmache, sondern außerdem noch ein sehr starker Organismus sei, sogar einer, dem man große Entwicklung und große Fortschritte prophezeien könne. Dieser Gedanke bezaubert gar viele europäische Geister immer mehr, und schließlich ist er auch zu uns herübergekommen: auch hier in Rußland spricht man schon von Kräften, die die Türkei plötzlich bewiesen haben soll. In Europa hat sich diese Auffassung wiederum nur aus Haß gegen Rußland verbreitet, bei uns aber – aus Kleinmut und der ungeheuren Eilfertigkeit zu pessimistischen Schlüssen, die nun einmal eine charakteristische Eigenschaft der intelligenten Klassen unserer Gesellschaft ist; eine Eigenschaft, die sich immer wieder kundtut, sobald irgendwo unsere „Mißerfolge“ beginnen!
So ist denn jetzt in Europa dasselbe vor sich gegangen, was einstmals im armen Geiste Don Quijotes vor sich ging, nur in umgekehrter Form, doch das Wesen der Sache ist hier wie dort dasselbe: jener dachte sich, um die Wahrheit zu retten, Menschen mit Molluskenleibern aus, die Europäer dagegen haben jetzt, um ihre Illusion von der Nichtigkeit und Schwäche Rußlands, die sie so wohlig beruhigt, zu retten, – eine echte Molluske für einen Menschenorganismus erklärt und ihn mit Fleisch und Blut, mit Kraft und Gesundheit ausgestattet. Über Rußland aber verbreitet man jetzt selbst in den gebildetsten Staaten den größten Unsinn. Auch früher kannte man uns in Europa wenig, sogar so wenig, daß man sich immer nur wundern mußte, wie dermaßen aufgeklärte Völker so wenig bestrebt sein konnten, jenes Volk kennen zu lernen, das sie doch alle von jeher hassen und fürchten. Diese Unkenntnis unseres Wesens in Europa und sogar die gewisse Unfähigkeit Europas, uns in manchen Beziehungen zu verstehen, ist ja für uns Russen teilweise auch vorteilhaft gewesen, und so wird sie uns schließlich auch fernerhin nicht schaden. Mögen sie nur schwatzen von Rußlands „schmachvoller Rückständigkeit als Militärmacht“, ungeachtet der Zeugnisse ihrer eigenen Kriegsberichterstatter, die über die militärische Begabung, die Festigkeit und Ausdauer und die Disziplin des russischen Soldaten wie Offiziers erstaunt sind; mögen sie selbst die bedeutendsten Fehler des russischen Generalstabes zu Anfang des Krieges nicht nur für unverbesserlich halten, sondern auf organische Mängel unseres Heeres zurückführen, – wobei sie natürlich vergessen, wie oft wir sie in diesen letzten zwei Jahrhunderten geschlagen haben. Mögen schließlich die ernstesten ihrer politischen Blätter der Welt als wahr melden, daß es bei uns zu einer riesigen Volksverschwörung auf der Wyborger Seite in Petersburg gekommen sei, und daß die Regierung zwei Regimenter aus Dünaburg zur Rettung Petersburgs herbeigerufen habe, – schön, mögen sie das in ihrer blinden Wut von uns sagen! Ich wiederhole: für uns ist es sogar vorteilhaft; denn sie ahnen ja nicht einmal, was sie anstiften! Sie würden doch so gern in allen ihren Völkern Haß gegen uns erwecken, gegen die „gefährlichen Gegner unserer europäischen Zivilisation“. Und doch sind sie es dann selbst, die uns wiederum als verloren hinstellen, uns in einer „bis zur Schmach lächerlichen Schwäche als Militärmacht und Staatsorganismus“ schildern. Wer aber wirklich so schwach und nichtig ist, der bringt doch wahrlich nicht in dieser Weise ganze Koalitionen gegen sich zusammen!
Man stelle sich nur vor, Europa sollte genaue Kenntnis von dieser Kraft unseres Geistes, unseres Gefühls haben, von dem unerschütterlichen Glauben unseres Volkes an die Gerechtigkeit der großen Tat, für die sein Zar jetzt das Schwert gezogen hat, und an den unfehlbaren Sieg dieser Idee, wenn auch nicht sofort, dann doch in der Zukunft! Man stelle sich nur vor, Europa könnte endlich begreifen, was dieser im höchsten Grade nationale Krieg für Rußland bedeutet, und daß unser Volk keineswegs eine tote, seelenlose Masse ist, wie sie es sich dort immer vorstellen, sondern ein mächtiger und sich seiner Macht bewußter Organismus, der als Ganzes wie ein einziger Mann fest zusammengefügt dasteht und eines Herzens und eines Willens mit seinem Heere ist. Welch einen Schreck und welch eine Aufregung würde dieses Wissen dort überall hervorrufen! Und das würde natürlich schon eher zu einer offenen Koalition Europas gegen uns führen, als die so gern gelesenen Berichte über unsere Kraftlosigkeit und Dekadenz. Nein, da ist es denn doch besser, wenn wir sie ruhig an die „Volksverschwörung in der Wyborger Vorstadt“ glauben lassen – ihnen zum Troste und uns zur Erheiterung.
Daß man in Europa jetzt an die Türken glaubt, ist ja schließlich ganz begreiflich; wir wissen doch, warum man es dort tut. Wie aber kann man bei uns sich deswegen aufregen und sogar an irgendwelche neue, plötzlich aufgetauchte Lebenskräfte der türkischen Nation glauben? Wodurch hat die Türkei diese Kräfte bewiesen? Durch den Fanatismus? „Fanatismus ist nicht Kraft“, haben bei uns schon hundertmal diese selben Leute verkündet, die jetzt plötzlich an die türkischen Kräfte glauben. Man spricht von den türkischen Siegen. Die Türken haben nur ein- oder zweimal unsere Angriffe zurückgeworfen, und das sind, wie man weiß, nur negative, nicht positive Siege. Als wir aber in Sebastopol einen Angriff der Franzosen und Engländer mit furchtbaren Verlusten der letzteren zurückschlugen, da sprach Europa kein Wort von einem russischen „Siege“. Wir haben während der ganzen zwei letzten Monate bedeutend weniger Truppen gehabt, als die Türken: warum haben sie das nicht ausgenutzt? warum uns nicht über den Balkan zurückgedrängt, warum nicht über die Donau zurückgeworfen? Dagegen haben wir überall unsere wichtigsten Stellungen behauptet und überall die Türken zurückgeschlagen. Zuweilen haben sieben oder acht unserer Bataillone zwanzig der ihrigen geschlagen, wie z. B. noch vor kurzem bei Zerkownjä. Die von der Kraft der Türken überzeugten Pessimisten weisen auf das Gewehr und die Artillerie der Türken hin, die, wie es heißt, besser sein sollen, als unser Gewehr und unsere Artillerie. Trotzdem wollen sie nicht zugeben, daß wir im Grunde genommen nicht nur mit den Türken, sondern mit den europäischen Mächten kämpfen, da unzählige fremde Offiziere im türkischen Heere dienen und letzteres mit europäischem Gelde ausgerüstet ist, da die europäische Diplomatie seit dem Ausbruch des Krieges uns überall Stangen in die Räder schiebt, wie z. B., wenn sie uns der Hilfe unserer natürlichen Verbündeten beraubt und uns sogar das Recht entzieht, auf dem einzigen direkten Wege in die Türkei einzudringen. Außerdem hat Europa durch seinen Haß auf uns zweifellos den Fanatismus der Türken angefacht. (In Europa wurde ja noch kürzlich eine Verschwörung ganzer Horden aufgedeckt, die, organisiert und mit Geld und Gewehren versehen, uns plötzlich in den Rücken fallen sollten.) Und zum Überfluß hat Europa den Türken auch noch eine riesige Anleihe gewährt – zum großen Nachteil für den eigenen Beutel. Und all dieses Unmögliche ist doch nur möglich gewesen, weil man in Europa die Illusion, daß die Türkei kein Molluskenreich sei, sondern ein Organismus von Fleisch und Blut wie alle anderen europäischen Reiche, so liebgewonnen hat! Dabei geschah dies zu derselben Zeit, als in mehreren Provinzen der Türkei das Blut in Strömen floß, als unter den Machthabern der Türkei eine regelrechte Verschwörung aufgedeckt wurde, die die Bulgaren bis auf den letzten Mann ausrotten wollte! Jetzt aber erhalten die Türken ihr Heer in den bulgarischen Provinzen mit solchen Requisitionen von Lebensmitteln, Pferden und Vieh, daß sie sicher sein können, ihr Ziel zu erreichen, nämlich: ihre reichste Provinz von Grund aus zu verwüsten. Und diesen Zerstörern des eigenen Landes leihen die gebildeten, zivilisierten Engländer noch Geld und glauben sogar an die türkische Zahlungsfähigkeit! Doch schön, schön, mag das alles in Europa geglaubt werden, dort ist das doch immerhin verständlich. Aber bei uns, wie kann man nur bei uns die Türken für eine Kraft halten!? Die Zerstörung ihres eigenen Landes und die Ausrottung der ganzen christlichen Bevölkerung – ist denn das eine Kraft? Die wird ja nicht einmal bis zum Ende des Krieges ausreichen. Die erste Wendung zu unseren Gunsten: und dieses ganze phantastische Gebäude ihrer Militärmacht und Nationalkraft wird im Augenblick zusammenstürzen und zergehen, wie eine richtige Schimäre, – sogar samt ihrem Fanatismus, der wie stickiger Rauch durch eine geöffnete Tür entfliehen wird.
Viele klugen Leute verwünschen jetzt einfach diese ganze Orientfrage. „Wer hat uns eigentlich,“ fragen sie, „diese Slawen und dieses Hirngespinst von einer Vereinigung aller blutsverwandten Stämme auf den Hals geladen? und wozu überhaupt? Zu ewigem Streit mit Europa, zu ewigem Mißtrauen uns gegenüber, damit nur ja der Haß des Westens auf uns nicht abnehme! Daß sie der Teufel hole, diese Slawophilen!“ usw., usw. Diese klugen Leute haben jedoch, wie es scheint, vollkommen falsche Vorstellungen wie von den Slawophilen so auch von der Orientfrage. Ja, wie sollte es auch anders sein! Haben sich doch viele von ihnen bis zur jüngsten Zeit überhaupt nicht für diese Sache interessiert. Deshalb kann man mit ihnen auch nicht streiten. Sie wissen es ja tatsächlich nicht, daß diese Orientfrage – und mit ihr die Slawenfrage – keineswegs von den Slawophilen heraufbeschworen oder ausgedacht worden ist (so etwas kann man sich doch nicht ausdenken), sondern, daß diese Frage von selbst entstanden ist, und das schon vor sehr langer Zeit: längst vor den Slawophilen, längst vor uns, ja sogar vor Peter dem Großen und dem russischen Staat. Entstanden ist sie mit der ersten Kristallisierung der großrussischen Rasse zu einem einzigen russischen Reich, das heißt also, zusammen mit dem Zarentum Moskau.
Die Lösung des Orientproblems ist eine Aufgabe, die das moskowitische Zarentum fast schon am Tage seiner Entstehung auf sich nahm, und die Peter der Große durchaus anerkannte und deshalb auch, als er Moskau verließ, keineswegs abschüttelte, sondern mit sich nach Petersburg hinübernahm. Peter begriff die organische Verbindung dieser Idee mit dem Russischen Reiche und der russischen Seele. Darum ist sie auch in Petersburg nicht nur nicht untergegangen, sondern von allen Nachfolgern Peters geradezu als russische Bestimmung angesehen worden. Darum können wir sie auch jetzt nicht aufgeben – das wäre ein Verrat an uns selbst. Die slawische Idee nicht mehr tragen und das Problem einer Schicksalsentscheidung des östlichen Christentums – das Wesen der Orientfrage – ungelöst aufgeben, wäre dasselbe, wie ganz Rußland zerbrechen, in Splitter zerhauen und an seiner Stelle sich irgend etwas Anderes und Neues ausdenken, was dann aber nichts mehr mit Rußland zu tun hätte. Das wäre sogar nicht einmal Revolution, sondern einfach Vernichtung, und darum ganz undenkbar: denn wie sollte man solch ein Ganzes vernichten und es in einen von Grund auf neuen Organismus umgebären können? So sind es denn auch nur noch die auf beiden Augen blinden russischen „Europäer“, die diese Idee nicht einsehen können und sie daher verleugnen, und mit ihnen höchstens noch die Börsenspekulanten, – so nenne ich nun einmal grundsätzlich alle Russen, die keine andere Sorge haben als die um ihren Geldbeutel, und die infolgedessen auf Rußland nur vom Standpunkt ihrer Tasche aus sehen. Jetzt klagen sie alle im Chor über die Stockung des Handels, über die Börsenkrisis und das Sinken des Rubels. Wären aber diese Börsenspekulanten nur so weit aufgeklärt, daß sie irgend etwas auch außerhalb ihrer Sphäre verstünden, dann würde ihnen wohl aufgehen, daß sie weit schlimmer daran wären, wenn Rußland diesen Krieg nicht begonnen hätte. Damit es ein „Steigen“ gibt – selbst ein Steigen des Rubels an der Börse –, muß die Nation auch wirklich leben, muß sie ein lebendiges Leben führen und ihre natürliche Bestimmung erfüllen, nicht aber wie eine galvanisierte Leiche in den Händen der Juden und Börsenjobber liegen. Wenn wir nach allen zynischen, beleidigenden Herausforderungen unserer Feinde diesen Krieg nicht begonnen hätten und den erschöpften Märtyrern nicht zu Hilfe gekommen wären, so würden wir uns jetzt selbst verachten müssen. Selbstverachtung aber, moralisches Sinken, und nach ihm Zynismus, – sind sogar für die Geschäfte der Börsenjobber nicht günstig. Die Nationen leben durch große Gefühle, durch große, alle vereinende und alles erhellende Gedanken, und endlich durch die Einheit des ganzen Volkes, die dann entsteht, wenn das Volk unwillkürlich seine führende Intelligenz als mit ihm übereinstimmend anerkennt, woraus dann die stärkste Nationalkraft strömt. Das ist es, wodurch die Nationen leben, nicht aber durch Börsenspekulationen und die Sorge um den Wert des Rubels! Je geistig reicher eine Nation ist, desto materiell reicher wird sie sein ... Übrigens, was sind das doch wieder für alte Worte, die ich da rede!