„Nastassja Filippowna!“ sagte in beschwörendem, doch erregtem Tone der General.

Alles geriet in Aufregung und eine unruhige Bewegung ging durch die ganze Gesellschaft.

„Aber was wollen Sie denn, meine Herrschaften?“ wunderte sie sich gleichsam, mit fragendem Blick die Anwesenden messend. „Weshalb regen Sie sich denn so auf? Und was für Gesichter Sie machen!“

„Aber ... bedenken Sie doch, Nastassja Filippowna,“ stotterte Tozkij, „Sie vergessen, daß Sie uns versprochen haben ... und zwar ganz freiwillig, und ... Sie müssen doch auch etwas Rücksicht nehmen ... Ich ... ich weiß nicht, wie ich mich ausdrücken soll ... ich bin ganz verwirrt, aber ... Kurzum, heute abend, in einem solchen Augenblick und ... und in Gegenwart fremder Menschen ... und mit einem solchen Petit-jeu eine so ernste Sache zu erledigen, eine Ehren- und Herzenssache ... von der so viel abhängt ...“

„Ich verstehe Sie nicht, Afanassij Iwanowitsch, Sie scheinen allerdings ganz verwirrt zu sein. Was wollen Sie damit sagen ‚in Gegenwart fremder Menschen‘? Befinden wir uns denn nicht in bester, intimer Gesellschaft? Und was haben Sie an dem ‚Petit-jeu‘ auszusetzen? Ich wollte doch gleichfalls etwas zum besten geben – ist es mir denn nicht erlaubt? Und warum sagen Sie, daß es nicht ernst sei? Ist denn das kein Ernst? Sie haben doch gehört, wie ich zum Fürsten sagte: ‚Was Sie sagen, das werde ich tun‘. Hätte er ja gesagt, so würde ich sofort dieselbe Antwort auch Gawrila Ardalionytsch gegeben haben; er aber sagte nein, und folglich sagte ich ab. Ist denn das kein Ernst? Hier hing doch mein ganzes Leben an einem Haar, was kann es denn noch Ernsteres geben?“

„Aber der Fürst! – was hat denn der Fürst damit zu tun? Und was ist denn schließlich dieser Fürst?“ fiel der General ärgerlich ein, fast schon außerstande, seinen Unwillen über diese ihn kränkende plötzliche Autorität des Fürsten zu verbergen.

„Der Fürst? Er ist der erste mir wirklich zugetane Mensch, dem ich in meinem Leben begegnet bin. Er hat auf den ersten Blick an mich geglaubt, und so glaube ich auch an ihn.“

„Ich habe dann nur noch Nastassja Filippowna meinen Dank auszusprechen, für das außerordentliche Zartgefühl, mit dem sie ... mich behandelt hat,“ sagte endlich mit unsicherer Stimme und verzerrt lächelnden Lippen Ganjä, der wächsern bleich war. „Das hat selbstverständlich alles so kommen müssen, es ist ja nicht mehr wie recht und billig ... Doch ... der Fürst ... ist in dieser Angelegenheit ...“

„Nicht ganz unparteiisch und hat es wohl auf die Fünfundsiebzigtausend abgesehen, wie?“ unterbrach ihn Nastassja Filippowna. „Das war’s doch wohl, was Sie sagen wollten? Leugnen Sie es nicht, ich weiß, daß Sie gerade das anzudeuten beabsichtigen, Afanassij Iwanowitsch! Ich habe ganz vergessen, Ihnen noch eines zu sagen: diese fünfundsiebzigtausend Rubel behalten Sie in aller Ruhe und vernehmen Sie, daß ich Sie unentgeltlich freigebe. So, und jetzt Schluß damit! Auch Sie muß man doch einmal aufatmen lassen! Neun Jahre und drei Monate! Morgen – beginnt mein neues Leben, heute aber bin ich noch das Geburtstagskind und gehöre mir selbst – zum erstenmal in meinem Leben! Iwan Fedorowitsch!“ wandte sie sich an den General, „auch Sie, nehmen Sie Ihre Perlen zurück, schenken Sie sie Ihrer Frau Gemahlin. Und morgen ziehe ich aus, ich verlasse diese Wohnung. Abendversammlungen wird es nicht mehr bei mir geben, meine Herren!“

Und sie erhob sich plötzlich, als wollte sie fortgehen.