„Pst-pst-pst! Pfeffer auf deine Zunge!“ flüsterte Lebedeff ganz entsetzt, schlich auf den Fußspitzen zum jungen Mädchen, das das Kind hielt, und bekreuzte das kleine Ding mehrmals mit ängstlicher Miene. „Gott behüte uns davor! Gott behüte! Das ist ja doch mein eigener Säugling, müssen Sie wissen, meine Tochter Ljubow,“ wandte er sich an den Fürsten, „geboren in der gesetzmäßigsten Ehe von meiner jüngst verschiedenen Gattin Helena, die bei der Geburt das Leben ließ. Und diese Kiebitzin hier ist meine Tochter Wjera, in Trauer, wie Sie sehen ... dieser aber, dieser dort, oh, dieser ...“

„Na was, kommst mit Worten zu kurz?“ rief der junge Mann lachend dazwischen. „Fahr nur fort, genier’ dich nicht.“

„Euer Durchlaucht!“ rief Lebedeff plötzlich wie aus der Pistole geschossen aus und mit einer Stimme, die fast überklappte. „Haben Sie von der Ermordung der Familie Shemarin in den Zeitungen zu lesen geruht?“

„J...ja,“ sagte der Fürst etwas verwundert.

„Nun, dann sehen Sie hier: das ist der leibhaftige Mörder der Familie Shemarin, er selbst, er selbst!“

„Was! Was reden Sie!“ Der Fürst war ganz verdutzt.

„Das heißt, allegorisch gesprochen, ein zukünftiger zweiter Mörder einer zukünftigen zweiten Familie Shemarin, wenn sich eine solche nochmals irgendwo finden sollte. Dazu bereitet er sich vor ...“

Alle lachten. Dem Fürsten kam es in den Sinn, daß Lebedeff vielleicht tatsächlich nur deshalb so viel sprach und schrie, weil er seine Fragen voraussah und nun Zeit gewinnen wollte, um sich seine Antworten zu überlegen.

„Er revoltiert! Ein Empörer! – ein Verschwörer ist er!“ schrie Lebedeff, als befände er sich in einer Wut, die jede Selbstbeherrschung ausschloß. „Nun, wie kann ich denn, nun, habe ich denn überhaupt das Recht, ein solches Lästermaul, einen solchen, man kann schon sagen – Wüstling und Auswurf des Menschengeschlechts, eine solche Kreatur als meinen leiblichen Neffen, als den einzigen Sohn meiner Schwester Anissja, der Seligen, anzuerkennen?“

„Na, weißt du, jetzt kannst aber auch aufhören, Alter! Werden Sie es glauben, Fürst, jetzt ist es ihm eingefallen, sich mit der Advokatur zu befassen: er spielt den Verteidiger vor Gericht, und so redet er auch zu Hause mit seinen Kindern nur noch im Deklamatorenstil. Vor fünf Tagen hat er vor dem Friedensrichter plädiert, und was glauben Sie wohl, wessen Verteidigung er übernommen hatte? Nicht die des alten Weibes, das ihn hier angefleht und das ein alter Wucherer kahl gestohlen hat – fünfhundert Rubel, ihr ganzes Vermögen, hat sich der Kerl eingesackt – o nein, sondern die des Wucherers, Saidler mit Namen, irgend so ein Judenvieh, weil der Kerl ihm fünfzig Rubel zu geben versprochen hat ...“