Wenn Aglaja sich ärgerte – und das tat sie ziemlich oft – blickte durch ihren scheinbaren Ernst und abweisenden Stolz so viel Kindliches, daß es mitunter ganz unmöglich war, bei ihrem Anblick ernst zu bleiben (was übrigens Aglaja zu noch größerem Ärger reizte, da sie es gar nicht begreifen konnte, „wie man überhaupt wagen durfte, über sie zu lachen!“). So brachen denn auch diesmal die Schwestern in Lachen aus, auch Fürst Sch. lachte, und selbst Fürst Lew Nikolajewitsch, der plötzlich aus irgendeinem Grunde gleichfalls ganz rot geworden war, mußte lächeln. Koljä triumphierte darüber und amüsierte sich köstlich. Aglaja aber ärgerte sich über alle Maßen, und das stand ihr vorzüglich: sie wurde noch reizender durch ihre Verwirrung und den Ärger über diese ihre Verwirrung.

„... Oder haben Sie schon vergessen, maman, wie oft er den Sinn Ihrer eigenen Worte entstellt hat?“ fragte sie verletzt.

„Aber wieso, ich wiederhole doch ganz wortgetreu Ihren eigenen Ausruf!“ verteidigte sich Koljä eifrig. „Vor einem Monat blätterten Sie im ‚Don Quijote‘ und plötzlich riefen Sie buchstäblich aus, etwas Besseres als den ‚armen Ritter‘ gäbe es überhaupt nicht. Leider weiß ich nicht, von wem die Rede war: von Don Quijote oder Jewgenij Pawlowitsch oder vielleicht von irgendeinem Dritten; nur konnte ich konstatieren, daß jedenfalls von einer bestimmten Persönlichkeit gesprochen worden war, und zwar offenbar schon recht lange ...“

„Mein lieber Junge, ich sehe, du erlaubst dir mitunter doch etwas zuviel mit deinen Voraussetzungen,“ unterbrach ihn die Generalin ärgerlich.

„Aber was habe ich denn getan?“ wunderte sich der nicht zum Schweigen zu bringende Koljä. „Ich habe doch meines Wissens durchaus keine Indiskretion begangen: alle sprachen damals davon, und das tun sie ja auch jetzt: soeben sprachen doch noch Fürst Sch. und Adelaida von ihm, und alle sagten damals, daß sie für den ‚armen Ritter‘ ständen! Folglich muß es doch diesen ‚armen Ritter‘ nicht nur in der Literatur, sondern wirklich und leibhaftig geben, und meiner Meinung nach ist es nur die Schuld Adelaida Iwanownas, daß wir ihn noch nicht näher kennen.“

„Meine Schuld? Um Gottes willen, was habe ich denn verbrochen?“ fragte Adelaida lachend.

„Ganz einfach das, daß Sie nicht sein Porträt gemalt haben! Aglaja Iwanowna bat Sie damals, den ‚armen Ritter‘ zu malen, und wird Ihnen wohl auch ganz genau beschrieben haben, wie sie sich das Bild dachte, Sie aber ...“

„Aber was hätte ich denn malen sollen? Von dem Sujet heißt es doch:

‚Und niemals sah man ihn schlagen

Zurück das feste Visier.‘