Also was? – einen Harnisch? – ein Visier?“
„Ich verstehe kein Wort! Harnisch! Visier! – Was soll das heißen, wovon redet ihr?“ fragte die Generalin aufrichtig geärgert; denn sie begann bereits zu erraten, wer mit dem „armen Ritter“ gemeint war und offenbar schon seit langer Zeit nach gemeinsamer, stillschweigender Verabredung so genannt wurde.
Da bemerkte sie, daß auch Fürst Lew Nikolajewitsch ganz verwirrt aussah und schließlich wie ein zehnjähriger Knabe verlegen wurde – und da war sie empört.
„Aber so sagt mir doch endlich, was diese ganze Dummheit zu bedeuten hat! Nun ... wird’s bald? Was hat es für eine Bewandtnis mit dem ‚armen Ritter‘? Oder ist es denn ein so furchtbares Geheimnis, daß man überhaupt nicht daran rühren darf?“
Doch die anderen fuhren nur fort zu lachen.
„Es gibt ein russisches Gedicht, ein Fragment,“ nahm es schließlich Fürst Sch. auf sich, den Sachverhalt zu erklären, um dem Gespräch dann eine andere Wendung geben zu können, „ein Fragment vom ‚armen Ritter‘, das weder einen richtigen Anfang noch ein richtiges Ende hat. Vor etwa einem Monat scherzten wir einmal alle nach Tisch und schlugen wie gewöhnlich Sujets zu dem zukünftigen großen Gemälde Adelaida Iwanownas vor. Sie wissen doch, daß es die wichtigste Aufgabe der ganzen Familie ist, für Adelaida Iwanowna ein passendes Sujet zu ersinnen! Und da schlug dann jemand den ‚armen Ritter‘ vor, – wer es zuerst getan, dessen entsinne ich mich nicht mehr ...“
„Aglaja Iwanowna!“ verriet Koljä lachend.
„Vielleicht, es ist möglich, nur entsinne ich mich dessen nicht mehr,“ fuhr Fürst Sch. fort. „Die einen lachten über diesen Vorschlag, die anderen wiederum meinten, es gäbe sicher nichts Edleres, Erhabeneres; doch, um den ‚armen Ritter‘ zu malen, müsse man vor allen Dingen ein Gesicht malen, und dazu brauche man ein Modell. Da begannen wir denn, alle Bekannten der Reihe nach durchzunehmen; doch das Resultat der Prüfung war, daß uns kein einziges Gesicht als dazu passend erschien, und dabei blieb es. Tja, und das war alles. Ich verstehe nur nicht, weshalb Nikolai Ardalionytsch jetzt darauf zu sprechen gekommen ist? Was damals scherzhaft und bien à propos[23] war, ist doch jetzt von durchaus keinem Interesse.“
„Wahrscheinlich weil wieder eine Dummheit damit beabsichtigt wird, irgendeine neue verletzende Taktlosigkeit,“ versetzte die Generalin scharf.
„Durchaus keine Taktlosigkeit oder Dummheit, sondern nur der Ausdruck der größten Hochachtung, wenigstens meinerseits,“ sagte plötzlich ganz unerwartet Aglaja, die sich inzwischen gefaßt und ihre Verlegenheit vollkommen überwunden hatte. Ja, man konnte sogar glauben, es freue sie jetzt, daß sie den Scherz so weit getrieben hatte und die Erklärung nun notwendigerweise folgen mußte. Und diese ganze Veränderung war in dem einen Augenblick vor sich gegangen, als sie plötzlich die ganz erstaunliche Verlegenheit und Verwirrung des Fürsten Lew Nikolajewitsch bemerkt hatte.