In dem Augenblick trat Gawrila Ardalionytsch aus dem Zimmer auf die Terrasse und ihm folgte Ptizyn. Im nächsten Zimmer hörte man Lärm und wüstes Stimmengewirr, aus dem nur die laute Stimme des alten Iwolgin zu unterscheiden war, da dieser offenbar die anderen überschreien wollte. Koljä eilte sofort hin.

„Das ist ja sehr interessant,“ bemerkte plötzlich Jewgenij Pawlowitsch laut, so daß es alle hörten.

„Ah, also er weiß etwas davon!“ dachte der Fürst bei sich.

„Was? Ein Sohn von Pawlischtscheff? Aber ... was kann denn das für ein Sohn von Pawlischtscheff sein?“ wunderte sich General Jepantschin und blickte fragend vom einen zum anderen. Zu seinem Erstaunen bemerkte er, daß alle etwas zu wissen schienen, wovon nur er allein keine Ahnung hatte.

Allerdings wäre die allgemeine Erwartung und das offenkundige Interesse der Anwesenden selbst einem Unbefangenen aufgefallen; den Fürsten aber wunderte es unsäglich, daß eine Angelegenheit, die nur ihn persönlich etwas anging, so vielen bereits bekannt war, und daß so viele auch nur das geringste Interesse daran haben konnten.

„Das ist sehr gut, daß Sie diese ganze Angelegenheit hier sogleich selbst erledigen werden,“ sagte Aglaja, die plötzlich an den Fürsten herangetreten war, mit auffallendem Ernst, „und ich hoffe, daß Sie uns allen erlauben, Ihre Zeugen zu sein. Man will Sie herabziehen, Fürst, deshalb müssen Sie sich stolz verteidigen. Ich freue mich schon im voraus für Sie.“

„Ja, auch ich wünsche es, daß diese empörende Prätention endlich einmal energisch zurückgewiesen wird!“ sagte die Generalin laut. „Lieber Fürst, schone sie nicht, gib’s ihnen ordentlich! Mir gellen schon die Ohren von dieser Skandalgeschichte, weiß Gott, sie hat viel böses Blut in mir gemacht. Deinetwegen, Fürst. Und es wird auch nicht uninteressant sein, diese Menschensorte einmal kennen zu lernen. Ruf’ sie nur herein, wir setzen uns inzwischen. Das war sehr richtig von dir, Aglaja, was du da sagtest. Haben Sie schon davon gehört, Fürst?“ wandte sie sich an den Fürsten Sch.

„Oh, gewiß; in Ihrem Hause. Doch was mich besonders interessiert, ist – jene jungen Leute mit eigenen Augen zu sehen,“ antwortete Fürst Sch.

„Das sind jetzt also Nihilisten, nicht wahr?“

„Nein, nicht gerade Nihilisten,“ griff sofort Lebedeff, der vor Aufregung nicht wußte, wo er sich lassen sollte, einen Schritt nähertretend, das Wort auf; „sie gehören zu einer anderen, einer ganz besonderen Kategorie. Mein Neffe sagt, sie gingen viel weiter als die Nihilisten. Eure Exzellenz glauben vielleicht, sie durch Eurer Exzellenz Anwesenheit einzuschüchtern; das wäre aber ein großer Irrtum Eurer Exzellenz: die pfeifen drauf! Nihilisten sind mitunter auch verständige Leute, sogar gelehrte Leute, diese aber sind weitergegangen, sie sind vor allem Geschäftsleute und beginnen sogleich mit der Tat. Diese Sorte Menschen ist eigentlich nur eine gewisse Folge des Nihilismus, doch wiederum auch keine direkte Folge, sondern sozusagen eine indirekte, halb nur nach dem Hörensagen, und ihre Meinung äußern sie nicht etwa wie jene in Zeitungsartikelchen, sondern direkt in Taten, sehen Sie! Und nicht nur um die, nun, zum Beispiel, Sinnlosigkeit Puschkins, oder, zum Beispiel, um die Notwendigkeit des Zerfalls des Russischen Reiches handelt es sich bei ihnen! – nein, sie erklären einfach, ein jeder habe das Recht, wenn er nach irgend etwas Verlangen trägt, vor keinem Hindernis mehr zurückzuschrecken oder sich von moralischen Bedenken abhalten zu lassen, und wenn es auch heißt, bei der Gelegenheit acht lebendige Menschen um einen Kopf kürzer zu machen. Deshalb würde ich Ihnen, durchlauchtigster Fürst, aufrichtig abraten ...“