„Aber wenn Sie, Herr Burdowskij, die Sache nicht in Gegenwart Unbeteiligter erörtern wollen,“ gelang es dem Fürsten, den dieser Anfang ganz betroffen gemacht hatte, einzuwenden, „so bin ich ja doch, wie gesagt, sogleich bereit, mich mit Ihnen allen in ein Zimmer zurückzuziehen, und ich bitte Sie, mir nur glauben zu wollen, daß ich erst vor zwei Minuten ...“

„Aber Sie haben kein Recht, Sie haben kein Recht, Sie haben nicht das Recht dazu! ... Ihre Freunde ... besagen gar nichts!“ ... ereiferte sich wieder der stotternde Burdowskij mit wildem und doch scheuem Blick auf all die fremden Menschen ringsum. Je mehr er seiner Umgebung mißtraute und je unsicherer er sich in ihr fühlte, um so aufgebrachter wurde er. „Und Sie haben kein Recht! Ganz einfach!“

Und nachdem er das hervorgestoßen, verstummte er wieder so plötzlich wie vorher und starrte, indem er seine kurzsichtigen, auffallend gewölbten Augen, deren Äderchen sehr dick und sehr rot waren, unheimlich aufriß, mit fragendem Blick den Fürsten an, wobei er seinen ganzen Oberkörper weit vorbeugte. Diesmal aber war der Fürst so verblüfft, daß auch er verstummte und ihn gleichfalls wortlos fragend ansah.

„Lew Nikolajewitsch!“ rief ihn plötzlich Lisaweta Prokofjewna zu sich, „hier, lies das, dieses hier, und bitte laut; lies es sofort, es bezieht sich direkt auf diese Angelegenheit.“

Sie hielt ihm mit einer befehlenden Handbewegung eines unserer humoristischen Wochenblätter hin und deutete mit dem Finger auf den Titel des Leitartikels. Lebedeff, der sich eifrig um die Gunst Lisaweta Prokofjewnas bewarb, war beim Eintritt der Gäste sogleich hinter ihren Stuhl geschlüpft, hatte aus der Seitentasche seines Rockes das Blatt hervorgezogen und es ihr vor die Augen gehalten, mit dem Zeigefinger eifrig auf die erste angestrichene Spalte weisend. Sie überflog den Anfang des Artikels, und was sie da las, empörte sie sichtlich tief.

„Wäre es nicht besser, wenn man es nicht laut lesen würde,“ wagte der Fürst, nicht wenig verwirrt, einzuwenden, „ich kann es ja auch später lesen, wenn ich allein bin ...“

„Ach, dann lies lieber du es, sofort, laut! So daß es alle hören!“ wandte sich Lisaweta Prokofjewna an Koljä in einem Tone, der keinen Widerspruch duldete, und gereizt nahm sie dem Fürsten das Blatt, das er kaum genommen hatte, wieder aus der Hand, um es Koljä zu geben. „Lies es laut vor, laut, hörst du, so daß alle es hören, hier, dies hier!“

Lisaweta Prokofjewna war eine heißblütige Dame, die sich leicht hinreißen ließ. Es kam oft vor, daß sie plötzlich ganz unbedacht alle Anker lichtete und ins offene Meer hinausfuhr, ohne dabei vorher nach dem Wetter zu fragen. Iwan Fedorowitsch bewegte sich unruhig. Doch alle waren noch so überrascht und verwundert, daß niemand daran dachte, gegen das laute Vorlesen Einspruch zu erheben, und so begann denn Koljä, dem Lebedeff sogleich eifrig zeigte, von wo er anfangen sollte, mit lauter Stimme den Artikel vorzulesen, der folgendermaßen lautete:

Proletarier und Aristokraten! Ein Beispiel unserer alltäglichen Diebstähle! Fortschritt! Reform! Gerechtigkeit!

„Seltsame Dinge ereignen sich in unserem sogenannten heiligen Rußland, in unserem Jahrhundert der Reformen und handelspolitischen Initiativen, des erwachenden Nationalbewußtseins und der jährlichen Ausfuhr von mehreren Hundertmillionen ins Ausland, im Jahrhundert der Handels- und Industriebegünstigung und der Ohnmacht des Arbeiters usw. usw., – alles läßt sich gar nicht aufzählen, meine Herrschaften, und deshalb zur Sache.