„Unantastbar, Exzellenz!“ bestätigte Lebedeff mit unerschütterlicher Miene, indem er die Hand aufs Herz preßte.

„Und das sagst du noch, als wenn du stolz darauf wärst?“ fuhr ihn Lisaweta Prokofjewna, fast vom Stuhle aufspringend, an.

„Gemein, gemein bin ich!“ erklärte Lebedeff in tiefer Selbsterkenntnis, schlug sich vor die Brust und senkte das Haupt immer tiefer.

„Was hab’ ich davon, daß du dich jetzt ‚gemein‘ nennst! Er glaubt, daß er, wenn er sich selbst ‚gemein‘ nennt, damit alles wieder gutgemacht habe! Und du schämst dich nicht, Fürst, dich mit solchen Leuten abzugeben? Das werde ich dir niemals verzeihen!“

„Mir wird der Fürst verzeihen!“ sagte Lebedeff überzeugt und gerührt zugleich.

„Einzig aus Anständigkeit, Gnädigste,“ fiel plötzlich mit lauter Stimme der aufspringende Boxer ein, „einzig aus Anständigkeit und um meinen Freund nicht zu kompromittieren, habe ich vorhin kein Wort über diese Korrektur verlauten lassen, sogar ungeachtet dessen, daß er sich erboten hatte, uns die Treppe hinunterzubefördern, wie Sie selbst gehört haben. Doch um die Wahrheit nicht zu entstellen, muß ich gestehen, daß ich mich allerdings an ihn gewandt und seine Hilfe für sechs Rubel in Anspruch genommen habe, nur wohlgemerkt, nicht zur Verbesserung des Stils, sondern einzig um die Fakta von ihm zu erfahren, die mir zum größten Teil völlig unbekannt waren, also wie gesagt, weil mir seine Kompetenz fehlte. Die Stiefeletten, der zunehmende Appetit beim Schweizer Professor, die fünfzig Rubel anstatt der zweihundertfünfzig, mit einem Wort, diese ganze Gruppierung des Materials stammt von ihm, für sechs Rubel, wie gesagt, den Stil aber hat er nicht korrigiert.“

„Ich muß bemerken, daß ich nur die erste Hälfte des Artikels korrigiert habe,“ unterbrach ihn Lebedeff mit geradezu fieberhafter Ungeduld, „jawohl, nur die erste Hälfte; denn da wir in der Mitte wegen eines Gedankens in Streit gerieten, habe ich die zweite Hälfte nicht mehr korrigiert, daher ist auch alles grammatisch Unzulässige in dieser Hälfte – und von Fehlern wimmelt es dort nur so! – nicht mir zuzuschreiben ...“

„Also das ist deine größte Sorge!“ fuhr Lisaweta Prokofjewna empört auf.

„Gestatten Sie die Frage,“ wandte sich Jewgenij Pawlowitsch an Keller, „wann haben Sie den Artikel korrigiert?“

„Gestern morgen,“ rapportierte Keller gehorsamst. „Wir hatten eine Zusammenkunft verabredet und uns gegenseitig ehrenwörtlich verpflichtet, das Geheimnis beiderseits zu wahren.“