„Sehr geehrter Herr!
Ich habe natürlich in den Augen der Leute nicht das geringste Recht, Eigenliebe zu besitzen. Nach ihrer Meinung bin ich viel zu gering dazu. Doch das ist die Meinung der Leute, nicht Ihre Meinung. Ich habe mich überzeugt, daß Sie, geehrter Herr, vielleicht besser sind als alle anderen. Ich bin nicht mehr mit Doktorenko einverstanden, in diesem Punkt sind unsere Ansichten jetzt ganz verschieden. Ich werde niemals auch nur eine Kopeke von Ihnen annehmen, doch Sie haben meiner Mutter geholfen, und so muß ich Ihnen dankbar sein, wenn auch nur aus Schwäche. Ich beurteile Sie jetzt anders und habe es für nötig befunden, Sie davon zu benachrichtigen. Ich nehme an, daß es zwischen uns nach dem Vorgefallenen keinerlei Beziehungen mehr geben kann.
Antip Burdowskij.
P. S. Die an den zweihundertfünfzig Rubeln fehlende Summe wird Ihnen mit der Zeit sicher zurückgezahlt werden.“
„Solch ein Blödsinn!“ sagte Lisaweta Prokofjewna verächtlich und warf den Brief auf den Tisch. „Nicht der Mühe wert, daß man’s liest. Was lachst du?“
„Gestehen Sie es doch nur, daß es Ihnen sehr lieb war, diesen Brief zu lesen.“
„Was! Diesen von Eitelkeit durchtränkten Blödsinn? Ja, siehst du denn nicht, daß sie vor Stolz, Ehrgeiz und Ruhmsucht alle einfach den Verstand verloren haben?“
„Ja, aber er hat doch gewissermaßen um Entschuldigung gebeten, und das ist ihm um so schwerer gefallen, je größer sein Stolz und sein Ehrgeiz sind. Oh, was für ein kleines Kind Sie sind, Lisaweta Prokofjewna!“
„Wa... du willst wohl eine Ohrfeige von mir haben?!“
„Nein, das will ich durchaus nicht. Ich sage es deshalb, weil Sie sich über den Brief freuen und Ihre Freude doch nicht eingestehen wollen. Weshalb schämen Sie sich Ihrer Gefühle? Und das ist doch bei Ihnen in allem so.“