Der General blickte Ganjä aufmerksam an: ihm schien dessen Verwirrung nicht zu gefallen.
„Vergessen Sie aber nicht, Iwan Fedorowitsch,“ sagte Ganjä erregt und mit unsicherer Stimme, „daß sie mir bis zu dem Augenblick, in dem sie sich entscheidet, volle Freiheit gegeben hat, und auch dann habe ich noch die Möglichkeit, mich nach meinem freien Willen zu entschließen.“
„Ja, willst du denn ... so willst du also ...“ stotterte der General erschrocken.
„Ich? – Nichts.“
„Aber ich bitte dich, als was willst du uns denn hinstellen?“
„Ich habe ja nicht gesagt, daß ich mich weigern werde. Ich habe mich vielleicht nicht ganz richtig ausgedrückt ...“
„Das fehlte noch, daß du dich weigerst!“ rief der General ärgerlich aus, ohne seinen Ärger verbergen zu wollen. „Hier mein Freund, handelt es sich nicht mehr darum, daß du dich nicht weigerst, sondern hier handelt es sich um deine Bereitwilligkeit, um deine Freude, mit der du ihr Jawort vernimmst ... Wie steht’s bei dir zu Hause?“
„Wie soll es da stehn? Zu Hause geschieht alles nach meinem Willen, nur mein Vater kann natürlich seinen Blödsinn nicht lassen. Er ist ja jetzt schon ganz unmöglich geworden. Ich rede überhaupt nicht mehr mit ihm, halte ihn aber noch im Zaum. Wenn die Mutter nicht wäre, würde ich ihm einfach die Tür weisen. Meine Mutter weint natürlich, und meine Schwester ärgert sich. Ich habe ihnen aber jetzt endlich einmal offen gesagt, daß ich Herr meines Schicksals bin und in meinem Hause wünsche, daß man mir ... gehorcht. Meiner Schwester wenigstens habe ich es kurz und bündig auseinandergesetzt, und zwar in Gegenwart meiner Mutter.“
„Tja, Freund, ich begreife wahrhaftig nicht!“ sagte der General, indem er mit gehobenen Schultern die Hände ausbreitete und wieder sinken ließ. „Mit Nina Alexandrowna ist es ganz dasselbe – du weißt, als sie vorhin bei mir war, stöhnte und seufzte sie. ‚Was haben Sie denn gegen diese Heirat?‘ fragte ich. Da stellt es sich denn heraus, daß es für sie eine Entehrung sei. Aber erlaub’ mal, wer kann denn hier von Entehrung reden? Wer kann denn Nastassja Filippowna auch nur irgendeinen Vorwurf machen oder ihr etwas Schlechtes nachsagen? Doch nicht ewig das eine, daß sie zu Tozkij in Beziehung gestanden hat? Aber das ist doch nur lächerlich, namentlich wenn man gewisse Verhältnisse in Betracht zieht! ‚Sie werden sie doch nicht mit Ihren Töchtern verkehren lassen,‘ sagte sie. Da haben wir’s! Ich begreife Nina Alexandrowna einfach nicht! Wie kann man nur so wenig ... so wenig ...“
„So wenig seine Stellung begreifen?“ half Ganjä dem General. „Seien Sie ihr nicht böse: sie begreift ihre Stellung zu gut. Ich habe ihr damals sogleich tüchtig die Wahrheit gesagt, damit sie sich nicht mehr in fremde Angelegenheiten einmischt. Und doch ist das einzige, was das Haus bis jetzt zusammenhält, daß das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Das Gewitter aber zieht schon herauf. Wenn heute das letzte Wort gesagt wird, so wird auch alles übrige gesagt werden.“