Der Fürst hatte, während er am anderen Tisch seine Schriftprobe verfaßte, das ganze Gespräch der beiden mit angehört. Als er fertig war, trat er an den ersten Tisch und überreichte dem General das Blatt.

„Das also ist Nastassja Filippowna?“ murmelte er halblaut vor sich hin, während er aufmerksam und neugierig die Photographie auf dem Schreibtisch betrachtete: „Wie wunderbar schön!“ rief er gleich darauf ganz begeistert aus.

Die Photographie zeigte einen Frauenkopf von allerdings ungewöhnlicher Schönheit. Sie hatte sich in einem sehr schlichten, doch um so eindrucksvolleren schwarzen Seidenkleide photographieren lassen; ihr offenbar dunkelblondes Haar war sehr einfach aufgesteckt; die Augen waren dunkel, tief, die Stirn nachdenklich. Der Ausdruck des Gesichts verriet Leidenschaft und Hochmut. An sich war das Gesicht etwas hager, vielleicht auch bleich ...

Ganjä und der General blickten beide ganz erstaunt den Fürsten an.

„Wie, Nastassja Filippowna? Ja, kennen Sie denn Nastassja Filippowna?“ fragte der General.

„Ja. Ich bin wohl noch nicht ganze vierundzwanzig Stunden in Rußland, diese Schönheit hier kenne ich aber schon.“

Und der Fürst berichtete von seiner Begegnung mit Rogoshin und was dieser ihm erzählt hatte.

„Das sind mir mal Neuigkeiten!“ bemerkte der General erregt, nachdem er dem Fürsten sehr aufmerksam zugehört hatte, worauf er forschend Ganjä anblickte.

„Wahrscheinlich hat er nichts als Unanständigkeiten im Sinn,“ brummte Ganjä, der gleichfalls etwas betroffen zu sein schien. „Kennt man ... ein Kaufmannssohn, der durchgehen will. Ich habe bereits einiges von ihm gehört.“

„Auch ich, mein Lieber, habe von ihm gehört,“ griff der General auf. „Gleich damals nach der Geschichte mit den Ohrringen erzählte uns Nastassja Filippowna das ganze Erlebnis. Aber jetzt hat sich die Sachlage doch bedeutend geändert. Da steckt vielleicht wirklich eine Million und ... Leidenschaft. Gesetzt – eine unanständige Leidenschaft ... vielleicht ... aber es riecht jedenfalls nach Leidenschaft, und wozu diese Leute im Rausch fähig sind, das weiß man! ... Hm! ... Wenn nur keine Geschichte daraus entsteht!“ schloß der General nachdenklich.