„Er wird nicht so bald sterben, denke ich?“
„Und, was weiter?“
„Weiter nichts; ich war hier mit ihm eine halbe Stunde zusammen ...“
Hippolyt wartete die ganze Zeit über auf den Fürsten und sah ununterbrochen nach ihm und Jewgenij Pawlowitsch hin, als diese miteinander sprachen. Er belebte sich fieberhaft, als sie an den Tisch traten. Er war unruhig und aufgeregt, Schweiß trat auf seine Stirn. An seinen blitzenden Augen bemerkte man eine große Unruhe und eine unerklärliche Ungeduld; sein Blick schweifte ziellos von einem Gegenstand zum andern, von einem Gesicht zum andern. Obgleich er am allgemeinen, lebhaften Gespräch teilnahm, so war seine Lebhaftigkeit doch nur eine kranke, unnatürliche. Dem Gespräche selbst folgte er nur zerstreut, stritt sich ganz sinnlos mit den anderen herum, spottete über alles und äußerte nur Paradoxes. Er sprach nicht zu Ende, was er soeben mit großem Feuer begonnen. Der Fürst sollte mit Verwunderung und Bedauern erfahren, daß man ihm heute zwei Glas Champagner zu trinken erlaubt hatte, und daß das gefüllte Glas vor ihm schon das dritte war. Doch das erfuhr er erst später, in diesem Augenblick war er zunächst selbst unaufmerksam und zerstreut.
„Wissen Sie auch, daß ich sehr froh bin, daß gerade heute Ihr Geburtstag ist!“ rief Hippolyt aus.
„Warum?“
„Sie werden es sehen; setzen Sie sich nur schnell! Erstens schon darum, weil hier so viel Menschen sind. Darauf hatte ich gerechnet, daß alle hier sein würden. Zum erstenmal in meinem Leben stimmt meine Rechnung! Schade, daß ich nichts von Ihrem Geburtstag wußte, sonst wäre ich mit einem Geschenk gekommen ... Ha, ha! Ja, vielleicht wäre ich mit einem Geschenk gekommen! Was kann nicht alles in der Welt passieren?“
„Es sind nur noch zwei Stunden bis Sonnenaufgang,“ bemerkte Ptizyn und sah nach der Uhr.
„Was will denn das jetzt sagen, wo es draußen so hell ist, daß man lesen kann?“ äußerte jemand.
„Ich möchte nur den Rand der Sonne sehen, man kann dann auf Ihre Gesundheit trinken, was meinen Sie, Fürst?“