„Ich habe nicht gewußt, daß man Sie für ein Gänschen hält, ich ... ich halte Sie nicht dafür.“

„Nicht? Sehr klug von Ihnen. Und namentlich sehr klug ausgedrückt.“

„Ich finde, daß Sie manches Mal sogar sehr tief sind,“ fuhr der Fürst fort. „Sie sagten vorhin etwas, was mir sehr gefallen hat. Sie sagten: ‚das hier ist nichts als Wahrheit, schon deshalb ist es ungerecht‘. Das werde ich behalten und darüber werde ich noch nachdenken.“

Aglaja wurde plötzlich rot vor Freude. Alle diese Veränderungen gingen mit ungewöhnlicher Offenheit und Schnelligkeit vor sich. Der Fürst freute sich gleichfalls und lächelte sogar vor Freude bei ihrem Anblick.

„So hören Sie denn,“ begann sie wieder, „ich habe Sie lange erwartet, um Ihnen das alles erzählen zu können, schon seit dem Tage, als ich Ihren Brief erhielt, oder sogar noch früher ... Die Hälfte haben Sie bereits gestern von mir gehört: ich halte Sie für den ehrlichsten und wahrsten Menschen, der ehrlicher und wahrer ist als alle anderen, und wenn man von Ihnen sagt, daß Ihr Verstand ... das heißt, daß Ihr Verstand, Ihr Geist mitunter krank sei, so ist das nicht richtig; davon habe ich mich auch überzeugt, und ich habe mit ihnen allen da gestritten, und wenn Sie auch tatsächlich krank sind im ... im Geiste – Sie werden mir das natürlich nicht übelnehmen, denn ich meine doch nur im höheren Sinne – so ist Ihr Hauptverstand, das ist es, was ich sagen will, doch größer und besser als bei denen allen dort zusammengenommen – die haben sich solch einen überhaupt noch nicht träumen lassen. Denn es gibt doch in jedem Menschen zwei Arten von Verstand: einen höheren und einen niedrigeren. Nicht? Ist es nicht so?“

„Möglich, daß es so ist,“ brachte der Fürst kaum vernehmbar hervor; sein Herz bebte entsetzlich und schlug laut.

„Ich wußte ja, daß Sie es verstehen würden,“ fuhr sie wichtig fort. „Fürst Sch. und Jewgenij Pawlowitsch begreifen nichts von diesen zwei Verstandesarten, Alexandra auch nicht, aber stellen Sie sich vor: Mama begriff sofort.“

„Sie ähneln sehr Lisaweta Prokofjewna.“

„Wie das? Wirklich?“ wunderte sich Aglaja.

„Jawohl, Sie können es mir glauben.“