IX.

Als sie in der Villa angelangt waren, blieb Lisaweta Prokofjewna sogleich im ersten Zimmer stehen: weiter konnte sie nicht mehr gehen und völlig erschöpft ließ sie sich auf eine kleine Chaiselongue nieder, ohne in der Zerstreutheit auch den Fürsten zum Platznehmen aufzufordern. Es war das in einem ziemlich großen Saal, mit reichen Blumenarrangements vor den Fenstern, einem schweren runden Tisch in der Mitte, einem Kamin und einer großen Glastür in der anderen Wand, durch die man in den Garten gelangte.

Kaum waren sie eingetreten, als auch Alexandra und Adelaida erschienen und in fragender Verständnislosigkeit die Mutter und den Fürsten anblickten.

Die jungen Mädchen pflegten in der Sommerfrische gewöhnlich gegen neun Uhr aufzustehen; nur Aglaja hatte sich in den letzten zwei oder drei Tagen etwas früher erhoben, um dann im Garten spazieren zu gehen, doch immerhin war das noch nicht um sieben geschehen, sondern erst so um acht, halb neun herum. Lisaweta Prokofjewna, deren unzählige Sorgen sie während der Nacht in der Tat keinen Schlaf hatten finden lassen, hatte sich schließlich kurz vor acht angekleidet, um Aglaja im Garten zu treffen, doch siehe da: ihre Jüngste war weder im Schlafzimmer noch im Garten zu finden. Von dem Stubenmädchen erfuhr sie, daß Aglaja Iwanowna bereits um sieben in den Park gegangen sei. Die Schwestern hatten über Aglajas neuen phantastischen Einfall zu lachen begonnen und gemeint, Aglaja würde sich sicherlich sehr ärgern, wenn die Mutter sie im Park aufsuchte. Sie hatten dabei geäußert, daß sie bestimmt mit einem Buch auf jener grünen Bank sitze, um derentwillen sie sich noch vor drei Tagen mit Fürst Sch. gezankt hatte, weil es diesem nicht gegeben war, in der Lage dieser Bank etwas Besonderes zu erblicken. So begab sich denn die Generalin zur grünen Bank und erschrak unsäglich über das Stelldichein, dessen Zeuge sie wurde, und über die Worte, die sie noch auffing. Als sie aber jetzt dem Fürsten gegenübersaß, wurde ihr bange bei dem Gedanken daran, was sie angestiftet hatte. „Weshalb sollte denn Aglaja nicht mit ihm zusammenkommen dürfen, selbst wenn es auch ein verabredetes Rendezvous war?“

„Glauben Sie nicht, mein Lieber,“ sagte sie schließlich, sich zusammennehmend, „daß ich Sie hergebeten habe, um Sie auszuforschen ... Ich hätte nach dem, mein Täubchen, was gestern geschah, vielleicht lange nicht den Wunsch gehabt, dich wiederzusehen ...“

Sie stockte ein wenig.

„Doch immerhin würden Sie gern erfahren wollen, wie es kam, daß ich heute mit Aglaja Iwanowna zusammengetroffen bin?“ beendete der Fürst mit der größten Ruhe ihren Satz.

„Nun ja, gewiß wollte ich das!“ sagte Lisaweta Prokofjewna sogleich ärgerlich und sie errötete plötzlich. „Ich fürchte mich nicht vor offener Aussprache, denn ich trete keinem zu nah und habe auch nicht die Absicht gehabt, jemanden zu beleidigen ...“

„Aber ich bitte Sie, da bedarf es doch gar keiner Entschuldigungen, es ist doch nur natürlich, daß Sie es wissen wollen. Sie sind – ihre Mutter. Wir trafen uns heute, Aglaja Iwanowna und ich, um sieben Uhr, bei der grünen Bank, weil sie mich dazu aufgefordert hatte. Sie teilte mir gestern abend schriftlich mit, daß sie mich in einer wichtigen Angelegenheit sprechen müsse. Wir trafen uns und sprachen eine ganze Stunde von Dingen, die eigentlich nur Aglaja Iwanowna angehen – und das war alles.“

„Selbstverständlich war das alles, Väterchen, und sogar ohne jeden Zweifel alles,“ sagte die Generalin würdevoll.