„Nun, das war was!“ sagte Koljä, ließ sich gleichfalls auf die Chaiselongue nieder und ging wie alle seinesgleichen ohne Umschweife auf die Hauptsache über. „Mit welchen Augen sehen Sie jetzt auf Hippolyt? Ohne jede Achtung?“

„Wieso, weshalb das? ... Nur ... wissen Sie, Koljä, ich bin sehr müde ... Zudem wäre es auch gar zu traurig, wieder davon anzufangen ... Übrigens, was macht er jetzt?“

„Er schläft und wird noch seine zwei Stunden schlafen. Ich begreife, Sie haben die ganze Nacht nicht geschlafen, sind im Park gewesen ... versteht sich, die Aufregung ... das fehlte noch!“

„Woher wissen Sie, daß ich im Park gewesen bin und nicht zu Hause geschlafen habe?“

„Wjera sagte es mir. Sie wollte mich bereden, Sie nicht zu stören: ich hielt’s aber nicht aus – nur auf einen Augenblick. Ich habe zwei Stunden an seinem Bett gewacht. Jetzt habe ich Kostjä Lebedeff zur Ablösung hingepflanzt. Burdowskij ist abgezogen. So legen Sie sich denn hin, Fürst. Gute N–n ... nein, guten Tag! Nur, wissen Sie, ich bin baff!“

„Natürlich ... alles das ...“

„Nein, Fürst, nein; ich bin baff über die ‚Beichte‘! Namentlich über die Stelle, wissen Sie, wo er von der Vorsehung und dem künftigen Leben spricht. Dort ist ein gi–gan–tischer Gedanke!“

Der Fürst blickte Koljä freundlich an, der offenbar nur deshalb gekommen war, um so bald wie möglich von dem ‚gigantischen Gedanken‘ reden zu können.

„Doch die Hauptsache, die Hauptsache liegt nicht in dem einen Gedanken allein, sondern in dem ganzen Aufbau der Sache! Wenn das ein Voltaire, Rousseau oder Proudhon geschrieben hätte – gut, ich würde es gelesen und mir gemerkt haben, aber ich würde doch nicht in dem Maße baff sein. Wenn jedoch ein Mensch, der genau weiß, daß ihm nur noch zehn Minuten geblieben sind, so spricht – das ist doch stolz! Das ist doch eine höhere Unabhängigkeit des Selbstbewußtseins, das bedeutet doch einfach direkte Herausforderung ... Nein, das ist eine wahrhaft gigantische Geisteskraft! Und danach behaupten, er habe absichtlich das Zündhütchen nicht hineingelegt – das ist doch einfach niedrig, einfach abscheulich! Aber wissen Sie, das war doch gar nicht wahr, das eine, was er da gestern sagte: ich hatte ihm ja gar nicht beim Einpacken geholfen, das war nur eine Finte von ihm, ich hatte seine Pistole nie gesehn; er selbst hatte alles eingepackt, so daß ich im Augenblick ganz perplex war. Wjera sagt, Sie würden ihn hierbehalten. Ich schwöre Ihnen, daß Sie nichts zu befürchten brauchen, es liegt ja gar keine Gefahr vor, um so weniger, als doch ständig jemand bei ihm ist.“

„Wer war heute nacht bei ihm?“