„N–n–nein, Geld habe ich ihm noch nicht gegeben und er weiß es selbst, daß ich es ihm nicht geben werde, aber das geschieht doch nur im Hinblick auf seine Mäßigung und Besserung. Heute begab er sich mit mir nach Petersburg – ich fuhr doch sogleich hin, um Herrn Ferdyschtschenko auf frischer Spur zu verfolgen, denn ich wußte genau, daß er nach Petersburg gefahren war. Mein General kochte nur so. Mir ahnte so was, daß er in Petersburg von meiner Seite verschwinden würde, um seine Kapitanscha aufzusuchen. Ich, ich muß gestehen, ich ließ ihn beinahe mit Absicht von mir fort. Wir waren überein gekommen, uns bei der Ankunft sogleich zu trennen, da es uns auf diese Weise leichter sein würde, den Schuldigen zu ertappen. Also wir trennten uns – und jetzt will ich ihn bei der Kapitanscha aufsuchen ... wenn auch eigentlich nur deshalb, um ihn als Familienvater und als Menschen überhaupt zu beschämen.“

„Nur machen Sie keinen unnützen Lärm, Lebedeff, sagen Sie um Gotteswillen keinem ein Wort davon,“ bat der Fürst halblaut in großer Unruhe.

„O nein, ich will ja im Grunde nur deshalb hingehen, um ihn zu beschämen, und dann auch, um zu sehen, was für eine Physiognomie er machen wird, – denn aus der Physiognomie kann man auf vieles schließen, hochverehrter Fürst, und besonders noch bei solch einem Menschen! Ach, Fürst! Wie groß aber auch mein eigenes Unglück im gegenwärtigen Augenblick ist, so kann ich doch nicht umhin, auch an die Hebung seiner Sittlichkeit zu denken. Deshalb habe ich an Sie eine große Bitte, durchlauchtigster Fürst, die genau genommen auch der Grund meines Kommens ist: Sie sind mit seiner Familie bekannt, haben sogar dort gewohnt – wenn Sie nun also, edelster Fürst, sich dazu entschließen könnten, mir ein wenig behilflich zu sein, einzig zum Glücke des Generals ...“

Lebedeff faltete die Hände in inständiger Bitte.

„Aber, wie soll ich Ihnen denn behilflich sein? Ich verstehe Sie nicht, Lebedeff.“

„... Einzig in dieser meiner Überzeugung bin ich zu Ihnen gekommen! Zum Beispiel könnte man doch durch Nina Alexandrowna auf ihn einwirken, indem man sozusagen im Schoße der eigenen Familie liebevoll ein achtsames Auge auf ihn hat. Ich selbst bin zum Unglück nicht mit ihr bekannt ... ferner könnte auch Nikolai Ardalionytsch, der Ihnen doch mit allen Fasern seines jungen Herzens ergeben ist, gleichfalls behilflich sein ...“

„Nein, Nina Alexandrowna darf von dieser ganzen Sache nichts erfahren, und Koljä ebensowenig ... Ich verstehe Sie aber noch nicht ganz, Lebedeff.“

„Aber hier ist doch nichts zu verstehen!“ rief Lebedeff und sprang vom Stuhl auf. „Nichts, nichts als Zärtlichkeit und Gefühl sind hier nötig – das ist das einzige Mittel für unseren Kranken. Sie, Fürst, werden mir doch erlauben, ihn als Kranken zu betrachten?“

„Das zeugt nur von Ihrem Zartgefühl und Ihrer Einsicht.“

„Ich will es Ihnen durch ein Beispiel erklären, das ich um der größeren Klarheit willen aus der Praxis nehme. Sehen Sie, was das für ein Mensch ist: da hat er nun diese seine Schwäche für die Kapitanscha, der er sich aber ohne Geldmittel nicht zeigen darf, und bei der ich ihn heute zu ertappen gedenke, zu seinem eigenen Glück, versteht sich. Doch gesetzt den Fall, daß er ein richtiges Verbrechen begangen, nun, ... irgendeine ehrlose Handlung – wenn er dazu auch absolut unfähig ist – so würde man doch dann, sage ich, einzig mit so einer gewissen Sensibilität alles bei ihm erreichen, denn er ist ein selten feinfühliger Mensch! Glauben Sie mir, keine fünf Tage würde er es aushalten! – Würde sich selbst verraten, in Tränen ausbrechen, alles gestehen, – und namentlich, namentlich wenn man noch geschickt vorgeht und edelmütig – und durch das Auge der liebenden Familie oder durch Ihr Auge alle seine Schritte sorgsam verfolgt ... Oh, edelster Fürst!“ Lebedeff wollte fast aufspringen vor Begeisterung. „Ich behaupte ja nicht, daß er es unfehlbar sei ... Ich bin ja sozusagen sogar bereit, mein ganzes Blut für ihn sogleich hinzugeben, aber ein solches Leben, dazu die Trunkenheit und die Kapitanscha – das alles kann einen doch noch zu ganz anderen Dingen verleiten!“