„Ja, habe ich denn ... Glück bei ihr gesucht?“
„Ach, bitte, laß jetzt das Philosophieren! Selbstverständlich hast du’s gesucht. Jetzt können wir mit einer langen Nase abziehen und damit ist es aus. Wenn ich offen sein soll, so kann ich dir nur sagen, daß ich nie ernstlich an einen Erfolg gedacht habe. Ich nahm es nur auf alle Fälle in die Hand, indem ich auf ihren lächerlichen Charakter rechnete, doch in erster Linie wollte ich eigentlich nur dich etwas zerstreuen. Natürlich hatten wir mindestens neunzig Chancen von hundert, daß die Sache ins Wasser fällt. Ich begreife bis jetzt noch nicht, was du eigentlich sonst erreichen wolltest.“
„Jetzt werdet ihr mich beide wieder bereden, eine Stelle anzunehmen, mir wieder Lektionen über Ausdauer und Willenskraft halten, und den weisen Rat erteilen, daß man auch Weniges nicht mißachten soll, und so weiter, und so weiter, ich kann’s ja schon auswendig,“ sagte Ganjä lachend.
„Er muß etwas Neues im Sinn haben,“ dachte Warjä bei sich.
„Nun und – wie ist man dort? Freuen sie sich?“ fragte plötzlich Ganjä.
„N–ein, nicht besonders, wie es scheint. Kannst es dir ja selbst denken. Der General ist zufrieden, die Mutter fürchtet sich. Sie hat ihn ja auch früher nur mit Widerwillen als Freier betrachtet, das weiß man doch schon.“
„Ich rede nicht davon. Als Freier ist er ja ganz unmöglich, einfach undenkbar, das ist doch klar. Ich frage nur, wie es jetzt dort ist? Hat sie ihm offiziell ihr Jawort gegeben?“
„Sie hat bis jetzt nicht ‚nein‘ gesagt und das ist alles, aber mehr ist ja von ihr auch nicht zu erwarten. Du weißt doch, bis zu welch einer Blödsinnigkeit sie früher schüchtern und verschämt war: Kroch sie doch als kleines Mädchen, wenn Besuch bei ihnen war, immer in irgendeinen Schrank und saß dort stundenlang, nur um nicht zu den Gästen gehen und einen Knix machen zu müssen, und ebenso albern ist sie auch heute noch. Weißt du, ich glaube eigentlich, daß es jetzt wirklich ernst ist, sogar ihrerseits. Über den Fürsten, sagten die Schwestern, mache sie sich den ganzen Tag lustig, vom Morgen bis zum Abend, damit man nur ja nicht glauben solle, daß sie ihn liebe; nur wird sie es schon so einzurichten wissen, daß sie ihm täglich unter vier Augen etwas sagen kann, denn er scheint ja förmlich in den Himmel entrückt zu sein, strahlt einfach ... Soll dabei entsetzlich komisch sein. Das sagten sie selbst. Auch schien es mir, daß sie sich über mich ein wenig lustig machten, wenigstens lachten sie mir ins Gesicht, die beiden älteren.“
Ganjä wurde schließlich doch ärgerlich und runzelte die Stirn. Warjä hatte vielleicht nicht unbeabsichtigt die letzte Bemerkung gemacht. Sie wollte seine geheimen Gedanken ausforschen.
Da begann plötzlich der Lärm und das Geschrei im oberen Stockwerk von neuem.