„Aber nur so, daß es niemand bemerkt,“ bat Ganjä erfreut, „und dann, Fürst – nicht wahr – ich kann mich doch auf Ihre Diskretion verlassen, nicht?“

„Ich werde ihn keinem zeigen,“ sagte der Fürst.

„Der Brief ist nicht geschlossen, aber ...“ fuhr der erfreute Ganjä im Eifer fort, brach aber wieder plötzlich verwirrt ab.

„Oh, ich werde ihn nicht lesen,“ antwortete der Fürst ganz ruhig, nahm die Photographie und verließ das Kabinett.

Als Ganjä allein zurückblieb, griff er sich an den Kopf.

„Nur ein Wort von ihr und ich ... und ich, wirklich, ich breche vielleicht mit allem!“

Er war zu erregt, um sich wieder an die Arbeit zu machen, und so begann er, in gespannter Erwartung ruhelos im Zimmer hin und her zu gehen.

Der Fürst kehrte nachdenklich zu den Damen zurück: der übernommene Auftrag war ihm peinlich, und der Gedanke an irgendwelche Beziehungen zwischen Aglaja und Ganjä war ihm direkt unangenehm. Plötzlich blieb er stehen, als wenn ihm etwas einfiele; er blickte sich im Zimmer um: zwischen ihm und dem kleinen Salon lagen noch zwei Zimmer. Da trat er schnell ans Fenster und begann Nastassja Filippownas Bild zu betrachten.

Es war, als hätte er ein gewisses Etwas erraten wollen, das sich in diesem Gesicht verbarg und ihn vorhin ganz betroffen gemacht hatte. Fast die ganze Zeit hatte er die Wirkung dieses Eindrucks empfunden, und so beeilte er sich jetzt, sich gewissermaßen nochmals von der Richtigkeit des ersten Eindrucks zu überzeugen. Da war es ihm plötzlich, als mache dieses in seiner Schönheit und noch aus einem anderen unbestimmbaren Grunde außergewöhnliche Gesicht einen noch weit fesselnderen Eindruck auf ihn. Grenzenloser Stolz, Verachtung und Haß sprachen aus diesem Gesicht, und doch lag in ihm gleichzeitig etwas Vertrauendes, etwas erstaunlich Gutherziges; und diese Kontraste erweckten sogar so etwas wie Mitleid, wenn man diese Züge betrachtete. Seine blendende Schönheit war unerträglich, diese Schönheit des bleichen Gesichts mit den fast eingefallenen Wangen und den brennenden Augen. Eine eigenartige Schönheit war es! Der Fürst konnte den Blick nicht losreißen vom Bilde. Plötzlich jedoch zuckte er zusammen, sah sich um, führte dann schnell das Bild an die Lippen und küßte es. Als er nach einer Minute in den großen Salon trat, war sein Gesicht vollkommen ruhig.

Gerade im Begriff, ins Eßzimmer zu treten, prallte er in der Tür beinahe mit Aglaja zusammen. Sie war allein. Im Salon der Mutter konnte man nichts hören – es lag noch ein Zimmer dazwischen – und so entschloß sich der Fürst schnell.