Und Julija Michailowna streckte sofort mit liebenswürdigem Eifer die Hand aus und Warwara Petrowna drückte sie mit aufrichtiger Bereitwilligkeit. Der allgemeine Eindruck war vorzüglich. Die Gesichter der Anwesenden erstrahlten vor Vergnügen und viele lächelten süß und wohlgefällig.
Kurz, die ganze Stadt sah plötzlich ein, daß nicht die Gouverneurin aus angeblicher Mißachtung Warwara Petrowna bisher noch nicht ihren Besuch gemacht hatte, sondern daß, im Gegenteil, Warwara Petrowna es war, die zu Julija Michailowna „Distance wahrte,“ während diese, wie man jetzt meinte, wohl schon zu Fuß zu Warwara Petrowna geeilt wäre, wenn sie nur gewußt hätte, ob sie überhaupt empfangen werden würde. Und so stieg denn Warwara Petrownas Ansehen plötzlich wieder aufs höchste.
„Steigen Sie ein, meine Liebe,“ sagte Warwara Petrowna zu der Lebädkin und wies auf die vorgefahrene Equipage.
Und die Unglückliche eilte fröhlich zum Wagenschlag, wo der Diener schon bereitstand und sie hineinhob.
„Wie! Sie hinken!“ rief plötzlich Warwara Petrowna entsetzt und erbleichte. (Alle haben es damals bemerkt, jedoch nicht verstanden, warum.) ...
Die Equipage rollte davon. Warwara Petrownas Stadthaus lag ganz in der Nähe der Kirche. Lisa erzählte mir später, die Lebädkin habe während der ganzen drei Minuten der Fahrt hysterisch gelacht, Warwara Petrowna aber habe dagesessen „wie in einem hypnotischen Schlaf“ – das waren Lisas Worte.
Fünftes Kapitel.
Die „allwissende Schlange“
I.
Warwara Petrowna klingelte sofort nach einem Diener und warf sich dann in der Nähe des Fensters erschöpft in einen Sessel.
„Setzen Sie sich dorthin, meine Liebe,“ wies sie Marja Timofejewna an dem großen runden Tisch, der in der Mitte des Salons stand, einen Platz an. Darauf wandte sie sich zu uns: „Stepan Trophimowitsch, wer ist das? Sehen Sie sie an, wer ... was ist sie?“