„Petruscha!“ rief da Stepan Trophimowitsch aus, erst jetzt plötzlich aus der Erstarrung erwachend: er warf die Arme in die Luft und stürzte zu seinem Sohn. „Pierre, mon enfant,[93] ich habe dich nicht einmal erkannt!“ und er umarmte ihn krampfhaft, während Tränen ihm über die Wangen liefen.
„Schon gut, schon gut, keine Albernheiten und keine Gesten, wenn ich bitten darf, aber so laß doch!“ wehrte Petruscha schnell ab und gab sich alle Mühe, sich aus den Armen des Vaters zu befreien.
„Ich habe dir immer, immer Unrecht getan!“
„Schon gut. Davon später. Konnte mir schon denken, daß du wieder Albernheiten machen würdest! So sei doch ein wenig nüchterner, ich bitte dich.“
„Aber ich habe dich doch zehn Jahre lang nicht gesehen!“
„Um so weniger Grund zu solchem Überschwang ...“
„Mais, mon enfant!“[94]
„Glaub’s schon, glaub’s schon, daß du mich liebst, nimm nur, bitte, die Hände weg ... Du störst doch auch die anderen ... Ah, da ist ja auch schon Nicolai Wszewolodowitsch ... aber so höre doch endlich auf mit den Albernheiten, ich bitte dich!“
Nicolai Wszewolodowitsch war in der Tat schon im Salon: er war sehr geräuschlos eingetreten und einen Augenblick in der Tür stehen geblieben, während sein ruhiger Blick die Versammlung überflog.
Genau so wie vor vier Jahren, als ich ihn zum ersten Male sah, war ich auch jetzt wieder erstaunt über seine Erscheinung. Ich hatte ihn durchaus nicht vergessen; aber ich glaube, es gibt Gesichter, die jedesmal, wenn sie auftauchen, wieder etwas Neues mit sich bringen, etwas, das man bis dahin noch nicht an ihnen bemerkt hat. Äußerlich war er anscheinend ganz derselbe wie vor vier Jahren: genau so elegant, genau so unnahbar, beim Eintreten genau so gemessen wie damals, ja, fast war er sogar ebenso jung. Sein leichtes Lächeln war wieder so offiziell freundlich und selbstbewußt, und sein Blick unverändert streng, in sich hineindenkend und doch gleichsam zerstreut. Kurz, es war mir, als hätte ich ihn gestern zuletzt gesehen. Nur eines machte mich stutzig: man hatte ihn zwar immer schön gefunden, aber sein Gesicht glich tatsächlich manchmal einer Maske, wie einzelne gehässige Damen unserer Gesellschaft behaupteten. Jetzt aber – ich weiß nicht, weshalb – jetzt erschien er mir schon auf den ersten Blick von vollendeter, unbestreitbarer Schönheit, so daß man unter keinen Umständen noch hätte sagen können, sein Gesicht erinnere an eine Maske. Kam das vielleicht daher, daß er ein wenig bleicher war als früher und, wie mir schien, ein wenig abgenommen hatte? Oder leuchtete jetzt vielleicht ein neuer Gedanke in seinem Blick?