„Sie haben immer noch dieselbe Absicht?“ fragte Stawrogin mit einer gewissen Vorsicht, nach minutenlangem Schweigen.

„Dieselbe,“ antwortete Kirilloff kurz: am Ton der Stimme hatte er sofort erkannt, wovon sein Gast sprach.

„Und – wann?“ fragte Stawrogin noch vorsichtiger, und wieder nach längerem Schweigen.

Kirilloff hatte inzwischen beide Kasten in den Koffer zurückgelegt und setzte sich nun auf seinen alten Platz.

„Das hängt nicht von mir ab. Sie wissen doch. Wann man mir sagen wird,“ murmelte er mehr vor sich hin, als wäre die Frage ihm ein wenig lästig, doch gleichzeitig war er, das fühlte man, durchaus bereit, auf andere Fragen zu antworten.

Er sah dabei mit seinen schwarzen glanzlosen Augen Stawrogin unverwandt an, mit einem seltsam gelassenen, doch guten und freundlichen Gefühl.

„Ich verstehe das gewiß – sich zu erschießen ...“ begann Stawrogin von neuem, nachdem er lange, wohl drei Minuten lang grübelnd geschwiegen hatte, während sein Gesicht sich verdüsterte. „Ich habe mir das selbst zuweilen vorgestellt. Aber es findet sich dann immer ein gewisser neuer Gedanke ein: wie, wenn man, zum Beispiel, ein Verbrechen beginge, oder etwas vor allem Schimpfliches, das heißt Schmachvolles, eine Schande, nur muß sie unendlich gemein sein und zugleich ... lächerlich – eine Schandtat, die von der Menschheit in tausend Jahren nicht vergessen wird, über die sie tausend Jahre lang flucht, und nun plötzlich der Gedanke: ‚ein Schuß in die Schläfe und es ist nichts mehr da‘. Was gehen einen dann noch die Menschen an, und daß sie einem tausend Jahre lang fluchen werden! Ist es nicht so?“

„Sie meinen, das ist ein neuer Gedanke?“ sagte Kirilloff, nachdem er eine Weile nachgedacht hatte.

„Nein ... das nicht ... aber als ich ihn zum ersten Male dachte, da empfand ich ihn als ganz neu.“

„Sie empfanden einen Gedanken –“ sprach ihm Kirilloff nach. „Das ist gut. Es gibt viele Gedanken, die waren immer da, und plötzlich werden sie neu. Das ist richtig. Jetzt sehe ich vieles wie zum erstenmal.“