„Warum sind Sie bleich geworden?“

„Was wollen Sie nur von mir?“ Stawrogin erhob schließlich die Stimme: „Ich habe hier eine halbe Stunde unter Ihrer Knute gesessen, nun könnten Sie mich doch wenigstens höflich fortgehen lassen ... wenn Sie in der Tat keinen vernünftigen Grund haben, mit mir in dieser Art umzugehen.“

„Vernünftigen Grund?“

„Zweifellos. Es wäre zum mindesten Ihre Pflicht, mir zu sagen, was Sie eigentlich bezwecken. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, daß Sie es tun würden. Ich habe aber nur eine einzige rasende Bosheit in Ihnen gefunden. Ich bitte Sie, mir die Hofpforte zu öffnen.“

Er erhob sich. Schatoff stürzte ihm nach, wild vor Grimm.

„Küssen Sie die Erde, tränken Sie sie mit Tränen, bitten Sie um Vergebung!“ rief er, ihn an der Schulter packend.

„Ich habe Sie nicht erschlagen ... an jenem Sonntagmorgen ... Ich nahm beide Hände zurück ...“ sagte Stawrogin wie im Schmerz und sah zu Boden.

„So sprechen Sie doch, so sagen Sie doch alles! Sie kamen her, um mich vor der Gefahr zu warnen, Sie ließen es zu, daß ich sprach, und morgen wollen Sie Ihre Heirat öffentlich bekanntmachen! ... Sehe ich es denn nicht Ihrem Gesicht an, daß Sie mit irgendeinem neuen furchtbaren Gedanken ringen ... Stawrogin, warum bin ich dazu verurteilt, bis in alle Ewigkeit an Sie zu glauben? Hätte ich denn mit einem anderen so sprechen können? Ich habe Keuschheit, aber ich habe mich meiner Nacktheit nicht geschämt, – denn es war Stawrogin, vor dem ich sprach! Ich habe mich nicht gefürchtet, den großen Gedanken durch meine Berührung zu karikieren, denn Stawrogin hörte mir zu! ... Und werde ich denn nicht die Spuren Ihrer Tritte küssen, wenn Sie fortgegangen sind? Ich kann nicht, ich kann Sie nicht aus meinem Herzen reißen, Nicolai Stawrogin!“

„Es tut mir leid, daß ich Sie nicht lieben kann, Schatoff!“ sagte Stawrogin kalt.

„Ich weiß, daß Sie es nicht können, und ich weiß auch, daß Sie nicht lügen. Aber hören Sie, ich werde alles gut machen: ich werde Ihnen den Hasen verschaffen!“