Stawrogin schwieg.
„Sie sind Atheist, weil Sie ein Herrensohn sind, der letzte Herrensohn. Sie haben den Unterschied zwischen Gut und Böse verloren, denn Sie haben aufgehört, Ihr Volk zu verstehen ... Es steigt eine neue Generation herauf, unmittelbar aus dem Herzen dieses Volkes, doch Sie werden sie nie erkennen, weder Sie noch die Werchowenski, Vater und Sohn, noch ich, denn auch ich bin ein Herrensohn, ja, ich, der Sohn Ihres leibeigenen Dieners Paschka ... Hören Sie, verschaffen Sie sich Gott durch Arbeit – hierin liegt der ganze Kern ... Oder verschwinden Sie als gemeine, faulende Schimmelschicht ... Erwerben Sie sich Gott durch Arbeit!“
„Gott durch Arbeit? Mit welcher Arbeit?“
„Mit gemeiner Bauernarbeit! Gehen Sie, werfen Sie Ihren ganzen Reichtum hin ... Ah! Sie lachen, Sie fürchten wohl, daß eine Posse dabei herauskommen wird?“
Doch Stawrogin lachte nicht.
„So glauben Sie, daß man Gott durch Arbeit erringen kann, und zwar gerade Bauernarbeit?“ wiederholte er nachdenklich, als hätte man ihm in der Tat etwas Neues und Ernstes gesagt, worüber nachzudenken sich lohnte. „Aber wissen Sie auch,“ sagte er plötzlich, auf etwas anderes übergehend, „daß ich durchaus nicht reich bin und fast nichts mehr hinwerfen könnte? Ich bin sogar kaum imstande, die Zukunft Marja Timofejewnas sicherzustellen ... Ja, und damit ich es nicht vergesse: ich wollte Sie bitten, Marja Timofejewna auch fernerhin, wenn es Ihnen möglich ist, beizustehen, da doch nur Sie allein einen gewissen Einfluß auf ihren armen Verstand haben könnten. Ich sage das nur auf alle Fälle.“
„Schon gut, schon gut!“ Schatoff winkte mit der einen Hand ab, während er mit der anderen das Licht hielt. „Sie reden von Marja Timofejewna, gut, ich werde schon, das ist ja selbstverständlich ... Aber hören Sie, gehen Sie zu Tichon.“
„Zu wem?“
„Zu Tichon. Er ist ein früherer Bischof, der jetzt – krankheitshalber zurückgezogen – hier in der Stadt wohnt, hier in unserem Jefimjeff-Kloster.“
„Und –?“