Bis jetzt hatte er noch gewissermaßen zweideutig gesprochen, so daß Lebädkin, der sich nun einmal an die Rolle des Narren gewöhnt hatte, noch immer ein wenig im Zweifel war: ob sich sein Prinz Heinz in der Tat ärgerte oder ob er, als er von der Veröffentlichung seiner Heirat sprach, nur zu scherzen beliebte. Jetzt aber war der ungewöhnliche Ernst Stawrogins dermaßen überzeugend, daß dem Hauptmann plötzlich geradezu ein Frösteln über den Rücken lief.
„Hören Sie, und sagen Sie die ganze Wahrheit, Lebädkin: haben Sie schon denunziert, oder noch nicht? Ist es Ihnen nicht schon gelungen, irgend etwas in der Hinsicht zu tun? Haben Sie nicht aus Dummheit schon irgendeinen Brief abgeschickt?“
„Nein, noch nicht, und ... ich hab’ nicht einmal daran gedacht!“ und der Hauptmann sah ihn an, ohne sich zu rühren.
„Nun, das lügen Sie, daß Sie daran noch nicht gedacht haben. Deswegen wollen Sie ja auch nach Petersburg. Aber wenn Sie noch nichts geschrieben haben, sollten Sie dann nicht hier irgend etwas mit irgend jemandem geschwätzt haben? Sagen Sie die Wahrheit. Ich habe so etwas gehört.“
„In der Betrunkenheit mit Liputin. Liputin ist ein Verräter. Ich habe ihm nur mein Herz ausgeschüttet,“ flüsterte der arme Hauptmann.
„Nun ja, das eine Herz dem anderen Herzen, ich weiß schon, aber man braucht doch nicht gleich blödsinnig zu sein. Wenn Sie den Gedanken hatten, so hätten Sie ihn für sich behalten sollen. Heutzutage schweigen kluge Leute und reden nicht.“
„Nicolai Wszewolodowitsch,“ – der Hauptmann erzitterte. „Sie selbst haben sich doch an nichts beteiligt, ich hab doch nicht Sie ...“
„Wie sollten Sie denn, bewahre, Ihre eigene Milchkuh!“
„Nicolai Wszewolodowitsch, so urteilen Sie doch selbst! So sagen Sie doch! ...“
Und in der Verzweiflung begann er, mit Tränen in den Augen, sein Leben in diesen letzten vier Jahren zu erzählen. Es war die törichte Geschichte eines hereingefallenen Dummkopfs, der seine Nase in Sachen gesteckt, die nicht für ihn geschaffen waren, und deren Wichtigkeit er über Trinken und Schlemmen fast bis zum letzten Augenblick noch nicht begriffen hatte. Er erzählte, er habe sich schon in Petersburg „einfach verleiten lassen, aus reiner Freundschaft, wie ein treuer Student, das heißt, ohne eigentlich Student zu sein“, verschiedene Blätter durch die Türen, in die Schirme zu stecken, oder wie Zeitungen in die Briefkästen, und wo sich nur eine Gelegenheit bot, im Theater wie auf der Straße, in die Hüte oder Taschen zu befördern. Späterhin habe er auch Geld von ihnen genommen, denn „was sind denn meine Einnahmen, Sie wissen doch selbst!“ Kurz, in zwei ganzen Gouvernements hatte er „allerlei Schund“ verstreut.