„Oh, Nicolai Wszewolodowitsch,“ rief er aus, „am meisten hat mich empört, daß diese Papierlappen so ganz gegen alle bürgerlichen und besonders vaterländischen Gesetze waren! Da ist denn plötzlich gedruckt, sie sollen mit den Heugabeln kommen und nicht vergessen, daß, wer morgens arm ausgeht, abends reich zurückkommen kann – stellen Sie sich doch nur so was vor! Ein Schauer faßt mich selber und doch stopfe ich die Schandblätter überall hin ... oder plötzlich fünf, sechs Zeilen an ganz Rußland, so, mir nichts, dir nichts, ganz einfach: ‚Schließt schnell die Kirchen, vernichtet Gott, löst die Ehe, hebt das Recht der Erbfolge auf, nehmt die Messer!‘ – und das ist alles, und der Teufel weiß, was weiter. Und gerade mit diesem Papierchen, dem fünfzeiligen, bin ich dann beinahe hereingefallen, im Regiment haben mich die Offiziere verprügelt, aber dann – Gott gebe ihnen Gesundheit! – haben sie mich wieder laufen lassen. Doch im vorigen Jahre haben sie mich beinahe wirklich gepackt, wie ich Fünfzigrubelscheine, französische Kopien, Korowajeff übergab. Aber, Gott sei Dank, Korowajeff ertrank bald darauf in betrunkenem Zustande im Teich – und man konnte nichts gegen mich unternehmen. Hier bei Wirginski hatte er noch die Freiheit der sozialen Frau verkündet. Im Juni hab ich wieder im ...schen Kreise alles mögliche herumgestreut. Die sagen, ich müsse bald wieder ... Pjotr Stepanowitsch gibt plötzlich zu verstehen, daß ich gehorchen muß und droht mir einfach. Aber wie hat er mich damals am Sonntag behandelt! Nicolai Wszewolodowitsch, ich bin ein Sklave, ein Wurm, aber kein Gott – nur dadurch unterscheide ich mich von Dershawin. Doch was sind denn meine Einnahmen? Sie wissen ja selbst!“

Stawrogin hatte ihm aufmerksam zugehört.

„Vieles war mir davon ganz unbekannt,“ sagte er; „mit Ihnen konnte selbstverständlich alles geschehen ... Hören Sie,“ er dachte ein wenig nach, „wenn Sie wollen, so sagen Sie ihnen – Sie wissen schon, wem –, daß Liputin gelogen hat und daß Sie nur mich mit einer Denunziation hätten schrecken wollen, in der Annahme, auch ich sei kompromittiert ... um auf diese Weise mehr Geld aus mir herauszubekommen ... Verstanden?“

„Nicolai Wszewolodowitsch, Liebling, Täubchen, droht mir denn wirklich solch eine Gefahr? Ich habe ja nur auf Sie gewartet, um Sie das fragen zu können!“

Stawrogin lachte kurz auf.

„Nach Petersburg wird man Sie natürlich nicht lassen, selbst wenn ich Ihnen das Geld zur Reise geben wollte ... Übrigens, es ist Zeit, zu Marja Timofejewna zu gehen.“ Er erhob sich.

„Nicolai Wszewolodowitsch, aber wie wird das nun mit ihr, mit Marja Timofejewna?“

„Ja, so, wie ich sagte.“

„Ist das denn wirklich wahr?“

„Sie glauben noch immer nicht?“