„Und wieder hast du ihm so etwas ausgeliefert!“ ärgerte sich Julija Michailowna. „Welch eine neue Unvorsichtigkeit!“
„Ich werde sofort zu ihm schicken, sie zurückerbitten –“
„Du glaubst wohl, daß er sie dir geben wird?“
„Ich verlange es!“ rief von Lembke empört und sprang sogar auf. „Wer ist er, daß man ihn so fürchten muß, und wer bin ich, daß ich nichts mehr tun darf?“
„Setze dich bitte, und rege dich lieber nicht so auf,“ hielt ihn Julija Michailowna zurück. „Zunächst will ich auf den ersten Teil deiner Frage antworten: wer dieser Pjotr Stepanowitsch ist? Nun, er ist mir vorzüglich empfohlen, ist sehr begabt und sagt zuweilen äußerst kluge Sachen. Karmasinoff versicherte mir, daß er fast überall Verbindungen hat und die großstädtische Jugend vollständig unter seinem Einfluß steht. Wenn es mir nun gelingt, diese Jugend durch ihn heranzuziehen und um mich zu gruppieren, so bewahre ich sie vor dem Untergang, indem ich ihrem Ehrgeiz einen neuen Weg weise. Zudem ist Pjotr Stepanowitsch mir von ganzem Herzen ergeben und gehorcht mir in allen Dingen.“
„Aber, hör mal, während man sie da noch heranlockt, können sie ja ... der Teufel weiß was machen! Ich verstehe ja, das ist eine Idee ...“ verteidigte sich von Lembke etwas unsicher. „Übrigens, um von etwas anderem zu sprechen: im H–schen Kreise sind wieder neue Flugschriften verbreitet worden.“
„Das wird wohl wieder nur so ein Gerücht sein – wie im vorigen Sommer: Proklamationen, falsche Assignaten, und was noch alles, dabei ist bis jetzt noch nicht ein einziges Exemplar gesehen worden. Wer hat dir denn das gesagt?“
„Blümer teilte mir mit ...“
„Ach, um’s Himmels willen, verschone mich doch bitte endlich mit deinem ewigen Blümer! Daß du auch wirklich nie aufhören kannst, mich an den zu erinnern! ...“
Julija Michailowna war so aufgebracht, daß sie fast keine Worte fand. Blümer war ein Beamter der Gouvernementskanzlei, den sie ganz besonders haßte. Aber auch davon später.