„Täuschen Sie sich nicht?“

„Nein. Unter ihrem Haß, dem aufrichtigsten und stärksten Haß, den sie für Sie empfindet, lodert doch jeden Augenblick ihre Liebe hervor, und ... ihr Wahnsinn ... die größte, die grenzenloseste Liebe und – wie gesagt: ihr Wahnsinn! Andererseits aber, aus der Liebe, die sie für mich empfindet, gleichfalls aufrichtig empfindet, bricht immer und immer wieder der Haß – der allergrößte Haß hervor. Ich hätte früher alle diese ... Metamorphosen nie für möglich gehalten.“

„Mich wundert nur, wie Sie so einfach über Lisaweta Nicolajewnas Hand verfügen können? Haben Sie ein Recht dazu? Oder sind Sie von ihr bevollmächtigt?“

Mawrikij Nicolajewitschs Gesicht verfinsterte sich und er senkte auf einen Augenblick den Kopf.

„Wozu diese Phrasen?“ fragte er plötzlich. „Das sind doch nur rachsüchtige Worte von Ihnen. Ich bin überzeugt, daß Sie das Nichtausgesprochene sehr wohl verstehen. Und ist denn hier Platz für kleinliche Eitelkeit? Ist das noch zu wenig Genugtuung für Sie? Soll man denn noch den Punkt aufs i setzen? Nun gut, dann werde ich auch noch den Punkt aufs i setzen, wenn Sie meine Erniedrigung so wünschen. Also: Ein Recht dazu habe ich nicht; eine Bevollmächtigung ist doch ausgeschlossen. Lisaweta Nicolajewna weiß nichts davon, ihr Verlobter aber hat den letzten Verstand verloren und ist fürs Irrenhaus reif und obendrein – obendrein kommt er noch selbst und teilt Ihnen das mit. In der ganzen Welt sind es nur Sie allein, der Lisa wirklich glücklich machen kann! Und nur ich allein, der sie unglücklich machen kann! Sie wollen sie niemandem abtreten, Sie verfolgen sie, aber Sie heiraten sie nicht. Ich weiß nicht, warum Sie das nicht tun. Liegt hier ein Mißverständnis vor, das vielleicht schon im Auslande entstanden ist, oder ein Liebesstreit, und muß man, um ihn beilegen zu können, etwa – mich ausstreichen ... so tun Sie es. Sie ist zu unglücklich, und das kann ich nicht mehr ertragen. Was ich sage, soll Ihnen nichts vorschreiben, und darum kann auch Ihre Eigenliebe gar nicht verletzt sein. Wenn Sie meinen Platz am Altar einnehmen wollten, so könnten Sie das ohne jegliche ‚Erlaubnis‘ meinerseits tun, und ich hätte es mir sparen können, so zu Ihnen zu kommen. Um so mehr, als unsere Hochzeit nach meiner jetzigen Handlungsweise sowieso unmöglich geworden ist. Ich kann sie doch nicht mehr zum Altar führen, nachdem ich hier so gehandelt, so gemein gehandelt habe. Denn das, was ich hier tue, daß ich sie Ihnen, vielleicht ihrem schlimmsten Feinde, einfach übergebe, ist meiner Meinung nach eine solche Gemeinheit, daß ich sie selbstverständlich nicht werde überleben können.“

„Sie werden sich erschießen, wenn man uns traut?“

„Nein, erst viel später. Warum soll ich mit meinem Blut ihr Hochzeitskleid beflecken? Vielleicht werde ich mich auch nicht erschießen, weder jetzt, noch später.“

„Mit diesem Nachsatz wollen Sie mich wohl beruhigen?“

„Sie beruhigen? Was macht Ihnen denn ein Tropfen mehr verspritzten Blutes aus?“

Er erbleichte und seine Augen begannen zu brennen. Sie schwiegen beide eine Zeitlang.