„Verzeihen Sie mir, bitte, die an Sie gestellten Fragen,“ begann Stawrogin von neuem. „Zu einigen hatte ich durchaus kein Recht, doch um so mehr habe ich das, glaube ich, zu einer anderen Frage: sagen Sie mir, was Sie eigentlich veranlaßt hat, in mir solche Gefühle zu Lisaweta Nicolajewna vorauszusetzen? Ich meine, daß Sie so überzeugt waren, um zu mir kommen zu können ... und solch einen Antrag zu wagen?“
„Wie?“ Mawrikij Nicolajewitsch zuckte zusammen. „– Haben Sie denn nicht bei ihr angehalten? Werben Sie denn jetzt nicht um sie und wollen Sie es auch später nicht tun?“
„Über meine Gefühle zu dieser oder jener Frau vermag ich nicht laut zu einem Dritten zu sprechen, zu wem es auch sei, außer zu dieser Frau selbst. Verzeihen Sie, aber das ist nun einmal meine Eigenart. Doch dafür werde ich Ihnen die ganze übrige Wahrheit sagen: ich bin bereits verheiratet, und so ist mir ein Heiraten oder ‚Werben‘ schon nicht mehr möglich.“[45]
Mawrikij Nicolajewitsch fuhr förmlich zurück vor Bestürzung, und starrte Stawrogin eine Weile unbeweglich ins Gesicht.
„Denken Sie sich ... das habe ich wirklich nicht gedacht,“ murmelte er endlich. „Sie sagten an jenem Morgen, daß Sie nicht verheiratet seien ... und so glaubte ich, Sie wären wirklich unverheiratet.“
Er erblaßte unheimlich. Plötzlich schlug er aus aller Kraft mit der Faust auf den Tisch.
„Wenn Sie nach solch einem Bekenntnis Lisaweta Nicolajewna nicht in Ruhe lassen und sie ins Unglück bringen, so schlage ich Sie tot, wie einen Hund hinterm Zaun!“
Damit sprang er auf und verließ das Zimmer. Pjotr Stepanowitsch lief schnell hinein – fand aber den Hausherrn in einer von ihm völlig unerwarteten Gemütsverfassung.
„Ah, das sind Sie!“ rief Stawrogin und lachte laut auf –, lachte, wie es schien, nur über die Erscheinung Pjotr Stepanowitschs, der mit so maßlos neugierigem Gesicht hereingeeilt kam.
„Haben Sie an der Tür gehorcht? Warten Sie, warum sind Sie doch jetzt gekommen? Habe ich Ihnen nicht irgend etwas versprochen ... Ach, richtig! ich weiß schon: zu den ‚Unsrigen‘! – Gehen wir! Freut mich sehr, Sie hätten sich wirklich nichts Besseres für diesen Augenblick ausdenken können.“