„Cher, ich bin auch selbst noch wie im Traum ... Savez-vous! Il a prononcé le nom de Teliatnikoff,[141] und ich glaube, gerade dieser war es, der sich im Vorzimmer versteckte. Ja, da fällt mir ein, er schlug einen Zeugen vor, und ich glaube, eben diesen Dmitri Mitritsch ... qui me doit encore quinze roubles de Whist, soit dit en passant. Enfin, je n’ai pas trop compris.[142] Aber ich war noch schlauer als sie, und was geht mich Dmitri Mitritsch an! Ich habe, glaube ich, sehr gebeten, daß niemand etwas davon erfahre, sehr gebeten, sehr, fürchte sogar, daß ich mich erniedrigt habe, comment croyez-vous? Enfin il a consenti[143] ... Nein, warten Sie, da fällt mir ein, das war er selbst, der darum bat, denn er sei nur gekommen, um zu ‚besehen‘, sagte er, et rien de plus,[144] und weiter nichts ... und daß, falls man nichts findet, auch nichts weiter geschehen wird. So haben wir denn auch alles beendet en amis, et je suis tout-à-fait content.“[145]

„Aber ich bitte Sie, er hat Ihnen doch einfach die in solchen Fällen üblichen Garantien angeboten, und Sie – Sie haben ihn noch selbst davon abgebracht!“ rief ich in freundschaftlichem Unwillen.

„Nein, es ist schon besser so, ohne Garantien. Und wozu ein Skandal? Lieber so lange es noch geht en amis ... Sie wissen doch, wenn man in der Stadt erfährt ... mes ennemis ... et puis à quoi bon ce procureur, ce cochon de notre procureur, qui deux fois m’a manqué de politesse et qu’on a rossé à plaisir l’autre année chez cette charmante et belle Natalia Pawlowna, quand il se cacha dans son boudoir. Et puis, mon ami,[146] widersprechen Sie mir nicht und entmutigen Sie mich nicht, ich bitte Sie, denn es gibt nichts Unerträglicheres, als wenn ein Mensch schon unglücklich ist und ihm dann hundert Freunde sofort noch erklären, wie dumm er gehandelt hat. Setzen Sie sich und trinken Sie Tee. Ich muß gestehen, ich bin sehr müde geworden ... sollte ich mich nicht hinlegen und eine Essigkompresse machen? Was meinen Sie?“

„Aber selbstverständlich,“ sagte ich, „und besser noch eine mit Eis. Sie sind sehr aufgeregt. Sie sind ja ganz bleich und Ihre Hände zittern. Legen Sie sich hin, erholen Sie sich und sprechen Sie vorläufig nicht. Ich werde mich zu Ihnen setzen und warten. Und nachher können Sie mir dann alles erzählen.“

Doch er konnte sich noch nicht entschließen, sich hinzulegen, ich aber bestand darauf. Nastassja brachte Essig in einer Tasse, ich feuchtete ein Handtuch damit an, das ich ihm dann auf den Kopf legte. Darauf kletterte Nastassja auf einen Stuhl und schickte sich zu meiner nicht geringen Verwunderung an, in der Ecke vor dem Heiligenbilde das Lämpchen anzuzünden. Noch nie hatte ich früher ein Lämpchen bei ihm gesehen und nun war es plötzlich da und wurde sogar angezündet.

„Das habe ich vorhin angeordnet, gleich nachdem sie fortgegangen waren,“ sagte Stepan Trophimowitsch leise zu mir und sah mich dabei schlau an, „quand on a de ces choses-là dans sa chambre et qu’on vient vous arrêter,[147] so macht das unbedingt einen guten Eindruck und die müssen dann doch aussagen, daß sie gesehen haben ...“

Als Nastassja mit dem Lämpchen fertig war, ging sie zur Tür, blieb aber dort stehen, legte mitleidig die rechte Hand an die Wange und begann, ihn mit bekümmertem Blick anzusehen.

„Eloignez-la unter irgendeinem Vorwand,“ winkte er mir vom Diwan zu. „Kann dieses russische Mitleid nicht ausstehen, et puis ça m’embête.“[148]

Doch sie ging schon von selbst hinaus. Es fiel mir auf, daß er immer wieder zur Tür blickte und zum Vorzimmer hinhorchte.

„Il faut être prêt, voyez-vous,“ (er sah mich dabei bedeutungsvoll an) „chaque moment[149] können sie kommen, einen festnehmen und huitt – weg ist ein Mensch!“