„Herrgott! Wer kann kommen? Wer kann Sie festnehmen?“

„Voyez-vous, mon cher,[150] ich habe ihn ganz einfach gefragt, als er schon fortgehen wollte: was wird man jetzt mit mir machen?“

„Hätten Sie doch lieber gleich gefragt, wohin man Sie verschicken will!“ rief ich unwillig.

„Das meinte ich ja auch damit, aber er ging fort und sagte nichts. Voyez-vous: was die Wäsche anbetrifft, die Kleider, die warmen Kleider besonders, ich glaube, das kann man schon mitnehmen, denke ich, doch vielleicht schicken sie einen auch im Soldatenmantel fort. Aber ich habe fünfunddreißig Rubel“ (er senkte plötzlich die Stimme und blickte ängstlich nach der Tür, durch die Nastassja hinausgegangen war) „heimlich durch die Westentasche, die ich ein bißchen aufgeschnitten habe, in die Weste hineingesteckt, sehen Sie hier, fühlen Sie ... Ich glaube, die Weste werden sie mir doch nicht ausziehen, u–und zum Schein habe ich in mein Portemonnaie sieben Rubel gelegt ‚alles, sozusagen, was ich habe‘. Und hier im Tisch ist noch Kleingeld und Kupfergeld, so daß sie gar nicht auf den Gedanken kommen werden, daß ich noch Geld versteckt habe. Sie werden glauben, das sei wirklich alles. Denn Gott mag wissen, wo ich heute noch nächtigen werde.“

Mir sank der Kopf auf die Brust ob solchem Wahnsinn. So, wie er es wiedergab, konnte man doch weder einen Menschen verhaften, noch Haussuchungen vornehmen. Daß er sich irgendwie täuschte, auch über das, was geschehen war, daran zweifelte ich jetzt nicht mehr. Allerdings hatte man ihm (nach seinen eigenen Worten) ein gesetzmäßigeres Vorgehen zugedacht, er aber war „noch schlauer“ gewesen und hatte das selbst verhindert ... Freilich geschah das damals noch vor den neuen diesbezüglichen Gesetzen ... und freilich durfte damals, also noch vor kurzem, der Gouverneur in äußersten Fällen ... Aber was konnte denn hier für ein äußerster Fall vorliegen?

„Es ist bestimmt ein Telegramm aus Petersburg gekommen,“ sagte plötzlich Stepan Trophimowitsch.

„Ein Telegramm! Ihretwegen? Weil Sie Herzens Bücher besitzen? Oder gar wegen Ihres Poems? Sie scheinen ja wirklich krank zu sein – was für einen Grund kann man denn deshalb haben, Sie zu arretieren?“

„Wer kann das wissen, in unserer Zeit, warum man arretiert wird?“ flüsterte er rätselhaft.

Ein unglaublicher, unmöglicher Gedanke fuhr mir durch den Kopf.

„Stepan Trophimowitsch, sagen Sie mir jetzt einmal wie einem Freunde,“ rief ich, „wie einem aufrichtigen, treuen Freunde, ich werde Sie nicht verraten: gehören Sie nicht irgendeinem geheimen Verbande an?“