Und er wies zitternd vor Unwillen, mit dem heißen Verlangen, jemanden herauszufordern, auf den zwei Schritt vor uns stehenden und uns anstarrenden Flibustjeroff.
„Diesem?“ rief Flibustjeroff sofort zornbebend und es wurde ihm offenbar dunkel vor den Augen. „Was für einen ‚diesen‘? Wen meinst du damit hier? wer bist du überhaupt?“ schrie er uns an, mit geballter Faust auf uns zutretend. „Wer bist du?“ brüllte er wild, bis zur Tollheit erregt vor Diensteifer und Dünkel (dabei kannte er Stepan Trophimowitsch von Ansehen sehr gut).
Noch einen Augenblick und der rasende Flibustjeroff hätte ihn schon am Kragen gepackt; doch zum Glück wandte auf das Gebrüll hin von Lembke den Kopf und sah verwundert doch aufmerksam auf Stepan Trophimowitsch: es war, als ob er nachdachte – plötzlich aber winkte er ungeduldig mit der Hand ab und Flibustjeroff stand sofort stramm. Ich zog meinen Freund schnell aus der Menge. Vielleicht hatte auch er schon genug davon.
„Gehen wir nach Hause, sofort,“ sagte ich in sehr bestimmtem Tone. „Wenn man Sie jetzt nicht geschlagen hat, so verdanken Sie das nur Herrn von Lembke.“
„Gehen Sie, mein Freund. Es war unrecht von mir, Sie mit hineinzuziehen. Sie haben noch eine Zukunft und eine Karriere vor sich, ich aber – mon heure a sonné.“[166]
Und er betrat festen Schrittes die Treppe des Gouvernementsgebäudes. Der Portier kannte mich: ich sagte ihm, daß wir beide zu Julija Michailowna wollten. Man führte uns in den Empfangssalon, wir setzten uns und warteten. Ich konnte meinen Freund nicht verlassen, zu sprechen aber, oder ihn zu bereden, hielt ich jetzt für überflüssig. Er sah aus, wie ein Mensch, der sich dem Tode fürs Vaterland geweiht hat. Wir setzten uns nicht nebeneinander, sondern er nahm in der einen Ecke Platz und ich in der gegenüberliegenden, die näher zur Eingangstür lag. Sein Blick war nachdenklich gesenkt, die Hände stützte er leicht auf den Silberknopf seines Stockes und den breitkrämpigen Hut hielt er müde in der linken Hand. So saßen wir an die zehn Minuten.
II.
Plötzlich trat von Lembke, in Begleitung des Polizeimeisters, mit schnellen Schritten ins Zimmer. Er blickte uns nur zerstreut an und wollte rechts in sein Arbeitszimmer gehen, doch schon stand Stepan Trophimowitsch vor ihm und verlegte ihm den Weg. Die hohe Gestalt, ja, die ganze so anders als die anderen wirkende Erscheinung Stepan Trophimowitschs machte augenscheinlich Eindruck auf von Lembke: er blieb stehen.
„Wer ist das?“ murmelte er verwundert. Doch wandte er den Kopf nicht zum Polizeimeister, sondern sah dabei starr Stepan Trophimowitsch an.
„Kollegienassessor Stepan Trophimowitsch Werchowenski, Exzellenz,“ antwortete Stepan Trophimowitsch mit einer würdevoll gemessenen Neigung des Kopfes.