„Aber das haben doch alles Sie selbst ... O Gott!“
„Ich? ich habe Sie immer nur gewarnt! Worüber hätten wir uns denn sonst die ganze Zeit gestritten?“
„Aber Sie lügen mir ja ins Gesicht!“
„Nun ja, das kostet Ihnen ja weiter nichts, so was zu sagen. Sie haben jetzt ein Opfer nötig, an dem Sie Ihren Ärger auslassen können – da komme ich Ihnen gerade recht. Ich werde mich lieber an Sie wenden, Herr ...“ Er konnte sich offenbar noch immer nicht auf meinen Namen besinnen. „Zählen wir’s doch an den Fingern ab: ich behaupte, daß außer der Liputingeschichte keine einzige Verabredung sich nachweisen läßt, kei–ne ein–zige! Das werde ich Ihnen sogleich beweisen; aber nehmen wir zuerst Liputin. Er trat mit dem Gedicht des Dummkopfs Lebädkin auf – schön! oder vielmehr, das war nicht schön. Aber was soll denn das für eine ‚Verschwörung‘ sein? Er kam sich einfach geistreich vor! Im Ernst: geistreich! Er wollte einen Witz machen, uns unterhalten, erheitern, – verlassen Sie sich darauf! ... und nicht nur uns, sondern vor allen anderen die Protektrice Julija Michailowna erheitern! Und das ist alles! Sie glaubens nicht? Aber war denn das nicht ein Witz in genau demselben Tone, wie er hier schon den ganzen letzten Monat herrschte? Und wenn Sie wollen, daß ich alles sage: bei Gott, unter anderen Umständen wäre er vielleicht auch glatt durchgegangen! Der Scherz war meinethalben roh, na, sagen wir, war vielleicht ein starkes Stück, aber an sich doch schließlich witzig.“
„Wie! Sie halten diese elende Handlungsweise Liputins auch noch für geistreich?“ fragte Julija Michailowna empört, „eine solche Dummheit, eine solche Taktlosigkeit, eine solche Niederträchtigkeit und Gemeinheit, dieser Anschlag! Ja, dann gibt es keine andere Erklärung: dann sind Sie selbst mit jenen im Bunde!“
„Na, natürlich doch! Ich saß ja hinter den Kulissen, habe von dort aus die ganze Maschine dirigiert. – Wenn ich hinter einer Verschwörung gesteckt hätte, dann, glauben Sie mir, dann wäre das nicht bei Liputin allein geblieben! Folglich steckte ich wohl auch, Ihrer Meinung nach, hinter meinem Papachen? damit er absichtlich einen solchen Skandal heraufbeschwört? Ja, sagen Sie doch: wer ist nun daran schuld, daß man auch Papachen zum Lesen aufforderte? Wer hat Ihnen noch gestern davon abgeraten, noch gestern, gestern!!“
„Oh, hier il avait tant d’esprit,[185] und ich rechnete so auf ihn! Und dann, er hat doch Manieren! Ich dachte: er und Karmasinoff ... und nun statt dessen!“ ...
„Tja, und nun statt dessen! Aber ungeachtet des tant d’esprit, hat Papachen alles verpfuscht. Doch da ich das voraussah, so hätte ich, als Mitglied der überzeugend nachweisbaren Verschwörung gegen Ihr Fest, Ihnen doch wohl nicht abgeraten, diesen Ziegenbock zum Gärtner zu machen? Ist’s nicht so? Indessen habe ich Ihnen tatsächlich abgeraten, habe noch gestern abgeraten, und zwar, weil ich schon so ’ne Vorahnung hatte, wie das enden würde. Natürlich habe ich nicht alle Details vorausgesehen, das wäre ja auch gar nicht möglich gewesen: er hat doch sicher selber nicht gewußt, womit er im nächsten Augenblick herausplatzen wird. So ’n nervöser Alter ist doch überhaupt kein Mensch mehr! Aber man kann da noch manches retten: schicken Sie gleich morgen, zur Genugtuung des Publikums, zwei Ärzte zu ihm, die sich nach seinem Gesundheitszustande erkundigen, oder schon heute, und dann so – na, auf administrativem Wege in eine Kaltwasserheilanstalt mit ihm. Wenigstens würden dann alle lachen und einsehen, daß man keine Ursache hat, sich gekränkt zu fühlen. Ich kann ja noch heute auf dem Ball unter der Hand ein paar diesbezügliche Erklärungen abgeben, da ich ja der Sohn bin. Eine andere Sache ist es mit Karmasinoff, der hat sich schön als grüner Esel entpuppt und seinen Gallimathias eine ganze Stunde lang geleiert, – na, mit dem steckte ich Ihrer Ansicht nach doch zweifellos unter einer Decke! Den habe ich wohl ausdrücklich gebeten, mitzutun, um Julija Michailowna zu schaden!“
„Oh, Karmasinoff, quelle honte![186] Ich verging, ich verging vor Schande für unser Publikum!“
„Na, ich wäre nicht vergangen, sondern hätte lieber ihm das Gehen beigebracht. Das Publikum war durchaus im Recht. Aber wer ist nun in diesem Fall wieder der Schuldige? Habe etwa ich Ihnen auch diesen aufgebunden? Habe ich bei seiner Vergötterung mitgeholfen? Doch, zum Teufel mit ihm! Aber der dritte, der Maniak, der Politiker! Das war schon eine andere Nummer! An dem haben sich schon alle versehen, aber nicht ich allein etwa!“