„Na, wie gesagt, und schon deshalb müssen Sie erscheinen, um diesen Dummköpfen ...“
„Ich sehe ein, ja, ich fühle es jetzt selbst, daß ich verpflichtet bin ... aber wie, wenn mich eine neue Schande erwartet? Und wenn der Ball am Ende gar nicht zustande kommt? Keiner wird kommen, keiner, keiner! Sie werden sehen!“
„Ach, da sollte man die Menschen nicht kennen! Wo blieben denn da die Toiletten? Sie als Frau sollten sich das doch selbst sagen! Sonderbare Menschenkenntnis!“
„Die Adelsmarschallin wird bestimmt nicht erscheinen!“
„Zum ... was ist da denn nun eigentlich passiert! Warum soll sie denn nicht erscheinen?“ rief er plötzlich ganz wütend vor Ungeduld.
„Die Schmach, die Blamage! Ich weiß nicht, was passiert ist, ich weiß nur, daß es mir nach alledem unmöglich ist, hinzugehen!“
„So! Warum denn nicht? Ja, woran sind Sie denn eigentlich schuld? Ist denn nicht das Publikum an allem schuld? Wo waren denn die Stadtältesten, die Familienväter? – deren Pflicht wäre es doch gewesen, die Taugenichtse zurückzuhalten. In keiner Gesellschaft und überhaupt nirgendwo kann die Polizei allein für alles einstehen. Bei uns verlangt aber jeder, der eintritt, daß hinter ihm ein Polizist stehe und ihn beschütze. Niemand begreift hier, daß jede Gesellschaft sich selbst beschützen muß. Aber was machen bei uns die Herren Honoratioren samt Frauen und Töchtern in solchen Fällen? Sie schweigen und blähen sich! spielen die Gekränkten! Nicht einmal diese Bengel von Störenfrieden im Zaum zu halten verstehen sie, selbst dazu reicht ihr gesellschaftlicher Instinkt nicht aus!“
„Ach, das ist ja nur zu wahr! Sie schweigen, blähen sich und ... sehen sich um.“
„Und wenn das wahr ist, so muß man das auch so sagen, daß alle es hören, furchtlos und streng! Sie müssen auf dem Ball erscheinen, und in den Zeitungen muß es stehen, daß Sie erschienen sind! Ich werde die Sache selbst in die Hand nehmen und Ihnen alles arrangieren. Wir bringen den Bericht in die Petersburger ‚Stimme‘ und in die ‚Börsennachrichten‘. Versteht sich: mehr Aufmerksamkeit, das Büfett strenger beaufsichtigen, den Fürsten bitten, den Herrn da bitten! Und dann müssen Sie erscheinen, offen vor aller Welt, am Arme Andrei Antonowitschs. Wie geht es ihm übrigens?“
„Oh, wie ungerecht, wie falsch, wie beleidigend haben Sie immer über diesen engelsguten Menschen geurteilt!“ rief Julija Michailowna plötzlich, mit ganz überraschender Glut, fast unter Tränen aus und drückte ihr Taschentuch an die Augen.