„Wenn du den Preis meiner jetzigen unmöglichen Aufrichtigkeit wüßtest, Lisa, wenn ich dir nur enthüllen könnte ...“

„Enthüllen? Sie wollen mir irgend etwas enthüllen? Gott bewahre mich vor Ihren Enthüllungen!“ unterbrach Sie ihn fast mit Schrecken.

Er blieb stehen und wartete in Unruhe.

„Ich muß Ihnen gestehen, in mir hat sich schon damals, schon in der Schweiz, der Gedanke festgesetzt, daß Sie etwas Entsetzliches auf der Seele haben müssen, etwas Schmutziges und Blutiges, und ... gleichzeitig etwas, das Sie furchtbar lächerlich macht. Hüten Sie sich, mir das zu enthüllen, wenn es so ist: ich würde Sie verspotten. Ich würde über Sie lachen solange Sie leben ... Oh, Sie erbleichen wieder? Ich werde ja nicht, ich werde nicht, ich gehe gleich fort.“ Und sie erhob sich schnell mit einer angeekelten und verachtenden Bewegung.

„Quäle mich, richte mich, schütte alle Wut über mich aus!“ rief er in Verzweiflung. „Du hast das volle Recht dazu! Ich wußte, daß ich dich nicht liebe, und richtete dich zugrunde. Ja, ich ‚nahm den Augenblick‘, ich nahm ihn an: ich hatte noch eine Hoffnung ... schon lange ... eine letzte ... Ich konnte dem Licht nicht widerstehen, das plötzlich mein Herz erhellte, als du bei mir eintratst, allein, als erste. Ich glaubte plötzlich ... Vielleicht glaube ich auch jetzt noch ...“

„Eine so edle Aufrichtigkeit bezahle ich Ihnen mit gleichem: ich will nicht Ihre barmherzige Schwester sein. Es ist möglich, daß ich wirklich Krankenpflegerin werde, wenn ich nicht heute noch zur rechten Zeit zu sterben verstehe; aber wenn ich das auch würde, so ginge ich doch nicht zu Ihnen, obschon Sie selbstredend jedem Bein- oder Armlosen gleichwertig sind. Es hat mir immer geschienen, daß Sie mich an irgendeinen Ort bringen würden, wo eine böse Riesenspinne von Menschengröße sitzt, und wir würden dort unser Lebelang auf diese Spinne sehen und uns vor ihr fürchten. Und darüber wird dann unsere gegenseitige Liebe vergehen. Wenden Sie sich an Daschenka; die wird mit Ihnen gehen, wohin Sie wollen.“

„Sie konnten es auch jetzt nicht unterlassen, sie zu erwähnen?“

„Das arme Hündchen! Grüßen Sie sie von mir. Wußte sie es, daß Sie sie schon damals in der Schweiz für Ihr Alter bestimmten? Welch eine Fürsorge! Welch eine Vorsicht! – Ach! Wer ist da?“

In der Tiefe des Saales hatte sich kaum die Tür geöffnet: ein Kopf schob sich durch und zog sich schnell wieder zurück.

„Bist du es, Alexei Jegorytsch?“ fragte Stawrogin.