„Wunderbar, wunderbar,“ lachte Lisa immer noch.

„Ach nun, zum Teufel ... Lisaweta Nicolajewna,“ sagte Pjotr Stepanowitsch plötzlich pikiert, „ich rede doch nur in Ihrem Interesse ... denn was geht das schließlich mich an? Ich war Ihnen gestern zu Diensten, habe getan, was Sie selbst wollten, und heute ... Nun sehen Sie, von hier sieht man schon Mawrikij Nicolajewitsch! Dort steht er und sieht uns nicht. Haben Sie ‚Polinka Sachs‘ gelesen, Lisaweta Nicolajewna?“ – „Was ist das?“

„Das ist eine Erzählung. Ich habe Sie als Student mal gelesen ... Da läßt ein Mann seine Frau auf der Villa wegen Untreue verhaften ...[53] Ah, nun, zum Teufel damit! Sie werden sehen, daß Mawrikij Nicolajewitsch Ihnen, noch bevor Sie zu Hause ankommen, einen Heiratsantrag macht. Er sieht uns noch immer nicht.“

„Ach, möge er uns auch nicht sehen!“ rief Lisa plötzlich in großer Angst. – „Gehen wir fort, fort! In den Wald, aufs Feld!“ Und sie lief zurück.

„Aber Lisaweta Nicolajewna, das ist doch so kleinmütig!“ rief Pjotr Stepanowitsch hinter ihr drein. „Und warum wollen Sie denn nicht, daß er Sie sieht? Im Gegenteil, blicken Sie ihm offen und stolz in die Augen ... Wenn Sie etwa deswegen ... ich meine, wegen der ... Jungfernschaft ... so ist das doch das größte Vorurteil von allen, ist doch eine solche Rückständigkeit ... Aber wohin gehen Sie denn, wohin? Teufel, da läuft sie nun ... Kehren wir doch lieber zu Stawrogin zurück! Nehmen wir meine Droschke! ... Wohin laufen Sie? Dort ist das Feld, und ... So! – da ist sie nun gefallen!“

Er blieb stehen. Lisa war wie ein Vogel davongeflogen, ohne zu wissen, wohin. Pjotr Stepanowitsch war schon auf fünfzig Schritt zurückgeblieben. Da stolperte sie über einen kleinen Erdhügel und fiel.

Im selben Augenblick hörte man einen kurzen Schrei: das war Mawrikij Nicolajewitsch, der sie jetzt plötzlich erblickt und fallen gesehen hatte, und im Augenblick schon quer über das Feld zu ihr lief.

Pjotr Stepanowitsch stand im Nu hinter dem Parktor und zog sich dann schleunigst zurück, um sich ohne Zeitverlust in seine Droschke zu setzen.

Mawrikij Nicolajewitsch aber stand schon, angstvoll erschrocken, neben Lisa, half ihr aufstehen und hielt, über sie gebeugt, ihre Hand in seinen Händen. Das Unglaubliche, Unmögliche, das in dieser Begegnung lag, erschütterte ihn so, daß ihm Tränen über das Gesicht rannen. Er hatte sie erblickt, wie sie, die er so andächtig verehrte, wie wahnsinnig über das Feld lief, und das zu dieser Stunde, bei solchem Wetter, im Kleide, im zarten Kleide von gestern, das jetzt zerdrückt und vom Fall beschmutzt an ihr herabhing ... Er konnte kein Wort hervorbringen, nahm hastig seinen Mantel ab und bedeckte mit zitternden Händen ihre Schultern. Plötzlich schrie er auf: er hatte gefühlt, wie sie mit ihren Lippen seine Hand berührte.

„Lisa!“ rief er aus, „ich verstehe nichts, aber stoßen Sie mich nicht von sich!“