„Oh, ja, gehen wir schnell von hier weg, verlassen Sie mich nicht!“ und sie zog ihn an der Hand mit sich fort.

„Mawrikij Nicolajewitsch,“ erschreckt senkte sie die Stimme, „dort tat ich die ganze Zeit sehr tapfer, aber hier fürchte ich den Tod. Ich werde sterben, ich werde bald sterben, aber ich fürchte mich zu sterben,“ flüsterte sie, und preßte krampfhaft seine Hand.

„Oh, wenn doch irgend jemand! ...“ er blickte sich in Verzweiflung um. „Wenn doch ein Vorüberfahrender! Ihre Füße werden naß, Sie ... werden den Verstand verlieren!“

„Tut nichts, tut nichts,“ beruhigte sie ihn, „mit Ihnen zusammen fürchte ich mich weniger, halten Sie mich an der Hand, führen Sie mich ... Wohin gehen wir jetzt? Nach Hause? Nein, ich will zuerst die Leichen sehn! Die Menschen sagen, daß man seine Frau ermordet hat, er aber sagt, er habe sie selbst ermordet; aber das ist doch nicht wahr, das ist doch nicht wahr? Ich möchte selbst die Ermordeten sehen ... die für mich ... ihretwegen hat er diese Nacht aufgehört, mich zu lieben ... Ich werde sie sehen und alles erfahren. Schnell, schnell, ich kenne dieses Haus ... es hat dort gebrannt ... Mawrikij Nicolajewitsch, mein Freund, verzeihen Sie mir Ehrlosen nicht! Warum mir verzeihen? – Warum weinen Sie? Geben Sie mir eine Ohrfeige und schlagen Sie mich tot hier auf dem Felde, wie einen Hund!“

„Niemand ist jetzt Ihr Richter,“ sagte Mawrikij Nicolajewitsch fest, „möge Gott Ihnen verzeihen, am wenigsten von allen aber bin ich Ihr Richter!“

Doch sonderbar wäre es, wollte man ihr Gespräch wiedergeben. Dabei gingen sie weiter, Hand in Hand, schnell und eilig, wie Halbwahnsinnige – gerade in der Richtung zur Brandstätte.

Mawrikij Nicolajewitsch hatte noch immer nicht die Hoffnung aufgegeben, irgendwo einen Wagen anzutreffen, aber ringsum blieb alles still und leer. Ein feiner, dünner Nebelregen verschleierte die ganze Landschaft. Jedes Licht und jede Farbe sog er auf und verwandelte Nähe und Ferne, Himmel und Erde unterschiedslos in eine einzige rauchige, bleierne Masse. Es war schon längst Tag und doch schien es noch nicht hell geworden zu sein. Und plötzlich tauchte aus diesem rauchigen, kalten Nebel eine Gestalt auf und kam den beiden entgegen, eine eigentümliche, seltsame Figur.

Ich glaube, ich hätte meinen Augen nicht getraut, wenn ich an Lisaweta Nicolajewnas Stelle gewesen wäre; sie aber, im Gegenteil, sie schrie freudig auf und erkannte den Menschen sofort: Es war Stepan Trophimowitsch.

Auf welche Weise er aus dem Hause gekommen war, wie er den Gedanken der Flucht, diese erklügelte Idee, verwirklicht hatte – davon später.

Er wird wohl schon an diesem Morgen Fieber gehabt haben, aber selbst die Krankheit, von der er übrigens selber vielleicht nichts gemerkt hat, vermochte ihn nicht zurückzuhalten. Tapfer stapfte er auf dem vom Regen aufgeweichten Wege darauf los. Offenbar hatte er bei seinem Unternehmen möglichst allein sein wollen, trotz seiner ganzen Lebensunerfahrenheit.