„Aber der fiel doch mit seinen falschen Papieren herein?!“
„Nun ja, damals, jetzt aber ist er zurückgekehrt, schon vor drei Wochen, und zwar unter den allersonderbarsten Umständen.“
„Aber das ist doch ein ganz nichtswürdiger Mensch!“
„Mein Gott, als ob es solche bei uns nicht geben könnte!“ gab Liputin plötzlich spottlächelnd zur Antwort und dabei sahen seine listigen Äuglein Stepan Trophimowitsch an, ihn gleichsam betastend, befühlend.
„Ach Gott, darum handelt es sich doch nicht ... Übrigens, Nichtswürdige – darin stimme ich mit Ihnen vollkommen überein, besonders mit Ihnen! Aber was weiter? Was wollten Sie damit sagen? Sie wollten doch unbedingt etwas damit sagen!!“ Stepan Trophimowitsch bestand auf einer Antwort.
„Ach, das sind ja lauter Dummheiten und sonst nichts! ... Dieser ‚Hauptmann‘ hat uns damals allem Anscheine nach nicht wegen falscher Papiere verlassen, sondern einzig und allein, um sein verrücktes Schwesterlein aufzusuchen, das sich an einem unbekannten Orte versteckt hielt. Na, und jetzt hat er sie eben hergebracht. Und das ist alles. Was ist denn dabei? Warum regen Sie sich denn so darüber auf, Stepan Trophimowitsch? Ich erzähle doch nur, was ich von ihm selber in seiner Betrunkenheit erfahren habe. Wenn er nüchtern ist, schweigt er darüber. Ein reizbarer Mensch übrigens, na, und so ... na, so ein dichtender Mars mitunter, wenn der Geist über ihn kommt, doch meist von üblem Geschmack. Und das verrückte Schwesterlein, das dabei noch hinkt, scheint mir von irgend jemand entehrt worden zu sein. Der Herr Bruder aber bezieht einen jährlichen Tribut, als Belohnung für die Ehrenbeleidigung, wie er sagt. Meiner Meinung nach ist das freilich nur Geschwätz. Er prahlt einfach. Aber das ließe sich doch mit weniger Geld auch machen! Doch Tatsache ist, daß er Geld hat, und zwar in großen Summen! Vor anderthalb Wochen ging er fast barfuß, und jetzt hat er – ich habe es selbst gesehen! – Hunderte in den Händen. Die Schwester hat täglich irgendwelche Anfälle, und schreit dann, worauf er sie mit der Peitsche ‚in Ordnung bringt‘, wie er zu sagen pflegt, – denn man müsse in das Weib ‚Achtung pflanzen‘. Ich begreife nicht, wie Schatoff es aushält, über ihnen zu wohnen. Herr Kirilloff hat es nur drei Tage aushalten können. Nun ist er umgezogen, wie gesagt. Er kannte sie noch von Petersburg her!“
„Ist das wirklich alles wahr?“ wandte sich Stepan Trophimowitsch an den Ingenieur.
„Sie schwatzen furchtbar viel, Liputin,“ brummte dieser wütend.
„Geheimnisse und wieder Geheimnisse! Woher kommt das doch, daß es bei uns plötzlich so viele Geheimnisse gibt?“ Stepan Trophimowitsch konnte nicht mehr an sich halten. Der Ingenieur ärgerte sich, errötete, zuckte ungeduldig mit den Schultern und ging schon aus dem Zimmer.
„Herr Kirilloff hat ihm sogar die Peitsche aus der Hand gerissen, sie zerbrochen und dann aus dem Fenster geworfen,“ fügte da Liputin schnell mit schlauem Lächeln hinzu.